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(Apostelgeschichte 18, 9.10)

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2013
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Diakonissen des Elisabeth-Krankenhauses
Diakonissen des Elisabeth-Krankenhauses
© Elisabeth Klinik
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Geschichten aus Schöneberg

Nächstenliebe und diakonischer Gedanke - Tradition im Gebiet des heutigen Kirchenkreises Schöneberg

Beim historischen Blick auf die diakonische Arbeit muss eine Sponsorin erwähnt werden, damals Gönnerin genannt: Elisabeth von Preußen. So wie sie das von Pfarrer Theodor Fliedner gegründete erste Diakonissen-Mutterhaus in Kaiserswerth bei Düsseldorf mitfinanziert und vor dem gleich in der Anfangszeit drohenden Bankrott gerettet hatte, unterstützte sie in Berlin Pfarrer Johannes Evangelista Goßner bei der Gründung des ersten Krankenhauses für arme Frauen, das 1840 ihren Namen erhielt: Elisabeth-Krankenhaus (heute Elisabeth Klinik), und den Bau des Bethanien-Krankenhauses, in dem 1847 auch das "Institut zur Ausbildung evangelischer barmherziger Schwestern" eröffnet wurde.

Die Kirchengemeinden und ihre Gemeindeschwestern waren, wo nötig, intensiv in der Armen- und Krankenarbeit tätig. Während das Tiergartenviertel und seine St. Matthäus-Kirchengemeinde wohlhabend waren, stand es um den Süden weit weniger gut. „Im Gebiet der Zwölf-Apostel-Kirche haben die Kirchenfrauen bzw. die Diakonissen des Elisabeth-Krankenhauses täglich Suppe für die Armen ausgeteilt.“ (Dieter Grunwald) Schon im 19. Jahrhundert gab es in der Zwölf-Apostel-Kirchengemeinde einen Beschäftigungsverein, der im Schnitt 30 Frauen einen Arbeitsplatz gab.

In den im Kaiserreich entstandenen Mietskasernenvierteln zwischen Landwehrkanal und Bülowstraße lebte der Großteil der Bevölkerung in Armut. „Unter dem Bülowbogen“ wurde zum Synonym für den Prostitutions- und Kriminalitätsmarkt aus wirtschaftlicher Not.
Den Stellenvermittlungen für Kellnerinnen waren oft regelrechte Animierschulen angeschlossen, Agenturen eines organisierten Frauen- und Mädchenhandels, zumeist aus osteuropäischen Ländern, schon im Kaiserreich und forciert in der Weimarer Republik. Es ist eins der drängenden Probleme, die auch heute existieren.
In den 20er- und 30er-Jahren des 20. Jh. existierten in Schöneberger Kirchengemeinden Arbeitslosencafés. Pfarrer Kurtz von Zwölf-Apostel gründete in der Inflationszeit Notküchen. In der NS-Zeit waren es Pfarrer der Bekennenden Kirche, wie Adolf Kurtz an Zwölf-Apostel, Erich Backhaus an St. Matthäus, Eitel von Rabenau an Apostel-Paulus und Mitglieder der Goßnerschen Mission in der Handjerystraße in Friedenau, die sich für die Verfolgten und für die Armen engagierten, ebenso viele Gemeindeschwestern und Krankenhaus-Diakonissen.

Nach dem II. Weltkrieg wurde die soziale Arbeit fortgesetzt. Die Zwölf-Apostel-Kirchengemeinde gründete später einen Stadtteilverein, war engagiert beim RundenTisch in der Hausbesetzerzeit und gab Hilfe bei Problemen durch Prostitution und Drogen (Mittwochsinitiative).
Soziale Konflikte sind geblieben, ja verstärken sich längst wieder, die Kirchengemeinden aber wurden immer ärmer. Sie reagieren in immer stärkerem Maße mit Vernetzung innerhalb und außerhalb des Kirchenkreises Schöneberg. Aus der Tradition der Gemeindeschwestern der Kirchengemeinden entstand vor über fünfundzwanzig Jahren die Diakoniestation Schöneberg gGmbH, die in vielfältiger Weise den kirchlich diakonischen Auftrag unterstützt und in ihren Tätigkeiten lebt, auch in dem immer wichtiger werdenden Bereich der Seniorenarbeit. Die Kirchengemeinden engagieren sich trotz sinkender finanzieller Möglichkeiten in der sozialen Arbeit. So sind auch die Suppenküchen leider wieder notwendig geworden, ebenso die Verteilung von Lebensmitteln und anderem nötigen Bedarf etwa durch den Diakonieladen, dessen Aufgaben immer größer werden. Und durch die veränderte Bevölkerungsstruktur kam auf den Kirchenkreis eine weitere wichtige Aufgabe zu: der interreligiöse und interkulturelle Kontakt. Auch hier bedarf es neuer Ideen und sozialer, auch bildungspolitischer Anstrengungen.

Sibylle Nägele / Joy Markert
08060601 · Nachdruck aus dem Journal Nr. 7 der Diakoniestation Schöneberg, Sommer 2008.


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