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MONATSSPRUCH

Juni
Gott spricht: Suchet mich, so werdet ihr leben.
(Am 5,4)

Juli<
So bekehre dich nun zu deinem Gott, halte fest an Barmherzigkeit
und Recht und hoffe stets auf deinen Gott!
(Hos 12,7)

August<
Jesus Christus spricht: Ihr urteilt, wie Menschen urteilen,
ich urteile über keinen.
(Joh 8,15)

JAHRESLOSUNG
2010
Jesus Christus spricht: Euer Herz erschrecke nicht. Glaubt an Gott und glaubt an mich
(Johannes 14,1)


 

MITTWOCHS-INITIATIVE E. V.
Von 1991 bis 2005 – Statistisches aus der Mittwochs-Initiative e. V.

Kleine Spritzenstatistik
Foto: Schult de Morais/diálogo
© Schult de Morais/diálogo
Vergrößern (bitte ggf. JavaScript aktivieren)Vorbeugend vor HIV und Hepatitis: sterile Spritzen und Kondome
 
Seit bald vierzehn Jahren kümmert sich die Mittwochs-Initiative um die Drogenabhängigen und Prostituierten im Kiez. Jeden Mittwoch können die Leute ihre benutzten Spritzen gegen neue tauschen. Für die Drogenabhängigen ein Anreiz, das Geld für den Kauf neuer Spritzen zu sparen – für die Anwohner dagegen der Vorteil, dass die Spritzen nicht in ihren Hauseingängen, Blumenrabatten und Spielplätzen landen. Jedenfalls nicht in solchem Umfang wie noch bis 1991.

Natürlich geht es der Mittwochs-Initiative vor allem um die Gesundheit der Leute. Oftmals wurden Spritzen mehrfach verwendet. Da sie nun aber nicht mehr steril sind, können Entzündungen entstehen, auch Abszesse. Ebenso wurden Spritzen auch von mehreren Leuten genutzt. Dabei ist es oft genug zur gegenseitigen Ansteckung mit Hepatitis, aber auch HIV gekommen. Auch die Prostituierten laufen Gefahr, sich mit HIV anzustecken, wenn sie keine Kondome verwenden. Aus diesem Grunde werden auch Kondome verteilt. Nicht zu vergessen – auch Menschen, die aus ihren Hauseingängen Spritzen entfernen, oder Kinder, die benutzte Spritzen finden und damit spielen, können sich mit Hepatitis infizieren (zum Glück nicht mit Aids, da der HI-Virus an der Luft sehr schnell abstirbt).

Lange Jahre stand jeden Mittwoch vor dem Gemeindehaus in der Kurfürstenstraße ein ausgebauter Campingwagen, aus dem heraus die Spritzen getauscht wurden. Seit 2000 wird dieses Spritzentauschmobil aber an einer anderen Stelle gebraucht. Seither findet die Arbeit im Gemeindehaus statt, im Sommer vor der Garage am Gemeindehaus und im Winter im Keller unter dem Foyer.

Viele Drogenabhängige hatten lange Zeit nicht mitbekommen, daß der Spritzentausch auch ohne Spritzentauschmobil weiterging; andere hatten anfangs vielleicht sogar Bedenken, in ein Kirchengebäude zu gehen. Jedenfalls kamen im Jahr 2001 deutlich weniger Leute mittwochs zum Spritzentausch. Aber allmählich fanden die Leute von der "Szene Kurfürstenstraße" doch wieder zu uns. Seit ungefähr September 2002 bleiben unsere Besucherzahlen ziemlich konstant bzw. bewegen sich in den selben Schwankungen, wie sie auch aus anderen Spritzentauscheinrichtungen Berlins bekannt ist.

Foto: Schult de Morais/diálogo
© Schult de Morais/diálogo
Vergrößern (bitte ggf. JavaScript aktivieren)Gebrauchte Spritzen
werden sicher entsorgt
 

Seit März 2001 führt die Mittwochs-Initiative eine ausführliche Statistik über die Zahl der Besucher sowie der getauschten und abgegebenen Materialien. Von März bis Dezember 2001 kamen rund 1.000 Besucher, tauschten rund 5.900 Spritzen und ließen sich rund 5.250 Kondome geben. Im folgenden Jahr, 2002 kamen dann gut 1.450 Besucher, tauschten knapp 6.575 Spritzen und bekamen über 8.100 Kondome. Im Jahr 2003 waren es fast 2.100 Besucher mit nahezu 14.750 Spritzen und annähernd 12.000 Kondomen. Im letzten Jahr suchten uns über 2.000 Leute auf, erhielten ca. 11.275 Spritzen und ließen sich knapp 11.300 Kondome geben. Bis September diesen Jahres hatten wir über 1.500 Besucher und gaben knapp 6.500 Spritzen sowie knapp 6.300 Kondome aus. Während 2001 durchschnittlich nur knapp 25 Leute jeden Mittwoch zum Spritzentausch kamen, waren es 2002 schon im Schnitt über 29 und 2003 nahezu 42. Im Letzten Jahr waren es nur gut 39 Besucher, bis September diesen Jahres knapp 39. Der Rücklauf gebrauchter Spritzen in die Gefahrengutbehälter der Mittwochs-Initiative lag im letzten Jahr bei knapp 97,6 %, in diesem Jahr bis September sogar bei knapp 98,2 %. Bei anderen Spritzentauscheinrichtungen liegt der Spritzenrücklauf vergleichbar hoch. Wo heute noch eine Spritze in einem Hauseingang liegt, lagen früher einmal fünfzig!

All die seit März 2001 abgegebenen und fast vollständig wiederbekommenen knapp 45.000 Spritzen ergeben aneinandergereiht eine Strecke von mehr als 4,8 Kilometern. Aufeinandergestellt wäre dieser Spritzenturm sogar etwas höher als der Mont Blanc, der höchste Berg der Alpen und zweithöchste Berg Europas. Seit dem Beginn unserer Spritzentausch-Arbeit im Winter 1991/1992 dürften da vielleicht schon zwei Mont Everests zusammengekommen sein.

Für das leibliche Wohl
Neben dem Spritzentausch bot die Mittwochs-Initiative praktisch von Anfang an auch Essen und Trinken an. Anfangs gab es ein belegtes Brot für jeden Besucher sowie Kaffee oder Tee, einen Joghurt nur gegen eine kleine Spende. Seit unserem Umzug aus dem kleinen Campingwagen in das Gemeindehaus konnten wir unser Verpflegungsangebot stark ausbauen. Die belegten Brote sowie Kaffee und Tee gibt es noch immer. Aber hinzugekommen sind noch eine warme Mahlzeit (meist ein Eintopf), ein bunter Salat und eine Süßspeise, von Obstsalat über Milchreis zu Apfelkuchen. Hierfür erhalten wir regelmäßig Lebensmittel von der Berliner Tafel sowie einem Obst- und Gemüsestand vom Winterfeldmarkt. Um daraus komplette Mahlzeiten zuzubereiten, müssen wir jeden Mittwoch noch etwas dazukaufen; das Geld hierfür erhalten wir von der Evangelischen Zwölf-Apostel-Kirchengemeinde, deren Räume wir mietfrei nutzen dürfen.

Neben diesem recht umfangreichen und kostenlosen Essensangebot haben wir auch eine Kleiderkammer, aus der jeder Besucher jeden Mittwoch bis drei Kleidungsstücke aussuchen und mitnehmen kann. Ebenfalls kostenfrei. Die Kleidung hierfür erhalten wir von Spendern aus der Gemeinde, aber auch von anderen Anwohnern aus dem Kiez, die von unserer Arbeit gehört haben. Unsere Kleiderkammer ist nie besonders reichhaltig ausgestattet, aber wer wirklich dringend etwas braucht, der wählt auch aus kleinem Angebot zweiter Hand. Selbst Kindersachen finden neue Besitzer.

Seit 1995 richtet die Mittwochs-Initiative jedes Jahr am 24. Dezember eine Weihnachtsfeier für die Leute von der Szene Kurfürstenstraße aus. Neben einem warmen Essen, belegten Broten und diversen Weihnachtssüßigkeiten erhalten unsere Weihnachtsgäste seit einigen Jahren auch eine Geschenktüte mit Hygieneartikeln, einem Buch, Kleidung, Süßigkeiten und noch weiteren Kleinigkeiten. Seit 2001 werden die Geschenke sogar vom Weihnachtsmann persönlich überreicht, begleitet von fleißigen Helferinnen.

Selbstverständlich gibt es auch Beratung und Weitervermittlung für Menschen, die sich mit Fragen und Problemen an uns wenden. Auch eine medizinische Erstversorgung mit Pflaster, Verband und Salbe wird von uns angeboten.

Abschließendes
Die Arbeit der Mittwochs-Initiative wird von ehrenamtlichen Helfern geleistet. Viele von unseren Mitarbeitern sind Medizin-Studenten. Neben den bereits erwähnten Sach- und Geldspenden benötigen wir für unsere Arbeit dennoch noch mehrere tausend Euro pro Jahr. Die Spritzen, Kondome und weiteres Präventionsmaterial müssen eingekauft werden, ebenso Büromaterial, Plastikgeschirr für die Essensausgabe, Arbeitsmaterialien und noch manch anderes. Auch das Telefonieren will bezahlt werden. Hierfür erhalten wir vom Landesverband der Berliner Aids-Selbsthilfegruppen e. V. (LaBAS) Gelder sowie von der Berliner Aidshilfe e. V. (BAH), für die wir jedes Jahr zum Weltaidstag (1. Dezember) mehrere Tage Spenden sammeln.

Im Rahmen "Arbeit statt Strafe" können seit einigen Jahren Menschen über einen von der Mittwochs-Initiative abgekoppelten Verein zur aufsuchenden psychosozialen Arbeit e. V. (VapA) bei uns Freie Arbeit ableisten. Sie helfen dann hauptsächlich bei den Küchenarbeiten aus. Neben der Hilfe, die wir dadurch erhalten, betrachten wir dieses Projekt vor allem deshalb für erfolgreich, weil praktisch alle dieser zeitweiligen Mitarbeiter sich gefreut haben, bei uns gewesen zu sein. Nicht weil die Arbeit so leicht gewesen sei, sondern weil es eine schöne und bereichernde Erfahrung ist, etwas für andere Menschen zu tun.
Bernd Weiß


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MITTWOCHS-INITIATIVE

Spenden
Die Arbeit der Mittwochs-Initiative e. V. ist auf Geld- und Sachspenden (letztere insbesondere für die Kleiderkammer) angewiesen. Geldspenden überweisen Sie bitte an:
 
Mittwochs-Initiative e. V.
Konto 3 387 100
Bank für Sozialwirtschaft
BLZ 100 205 00

Erreichbarkeit
Sie können Mitarbeiter/innen jeden Mittwoch in der Zeit von 14.00 bis 20.00 Uhr in den Gemeinderäumen antreffen oder telefonisch erreichen unter Tel (0 30) 2 64 42 22.