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Weise mir, Herr, deinen Weg; ich will ihn gehen in Treue zu dir.
(Psalm 86, 11)

Februar
Alles ist erlaubt - aber nicht alles nützt. Alles ist erlaubt - aber nicht alles baut auf. Denkt dabei nicht an euch selbst, sondern an die anderen.
(1.Korinther 10, 23-24)

JAHRESLOSUNG
2012
Jesus Christus spricht:
Meine Kraft ist in den Schwachen mächtig.
(2. Korinther 12,9)


 
Rundgang über unsere historischen Kirchhöfe

Rudolf Virchow
Alter Sankt-Matthäus-Kirchhof, Sektion H-s-12

Foto: Dieter Grunwald
© Dieter Grunwald
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"Woher kommt diese Schwerfälligkeit in der geistigen Entwicklung bei uns, sobald es sich um große öffentliche Fragen handelt?" (Rudolf Virchow)

Sich Rudolf Virchow (1821–1902) zu nähern, ist eine Sysiphosarbeit. Wir haben es hier mit einem Wissenschaftler zu tun, der einer der wichtigsten und größten Mediziner des 19. Jahrhunderts war, aber auch als Sozialhygieniker und politisch denkender Mensch in unserer Erinnerung geblieben ist. Einige Jahre nach den Befreiungskriegen als der einzige Sohn des Stadtkämmerers von Schivelbein (Hinterpommern) geboren, wurde er nach dem Abitur in Köslin Student der Militär-Ärztlichen Akademie, der "Pepiniere", in Berlin. Nach dem Studium schloss sich ein praktisches Jahr in der Charité an, das er aber nicht beenden konnte, weil er eine vakante Arztstelle an der Charité angeboten bekam. Er begann diese Tätigkeit 1843 an der Augenklinik und konnte durch das Studium der Entzündungsvorgänge die ersten Grundlagen für seine spätere Lehre legen.

Foto: Dieter Grunwald
© Dieter Grunwald
Vergrößern (bitte ggf. JavaScript aktivieren)Virchow-Denkmal vor der Charite, Berlin-Mitte
 

Virchow erkannte früh, dass Krankheiten und Epidemien ihre Ursache in den sozialen Missverhältnissen hatten. 1848 wurde er nach Oberschlesien gesandt, um die Ursachen des Massensterbens wegen der dort grassierenden Typhus-Epidemie zu erforschen. Virchows Analyse dieser Epidemie ist zu einer der klassischen Arbeiten der deutschen Sozialhygiene geworden. Später hat er sich auch der medizinischen Statistik zur Entwicklung der Prophylaxe verschrieben und seine Kollegen aufgefordert, die Totenscheine korrekter auszufertigen, um mehr Aussagekraft in die Statistiken zu bekommen.

"Der Staat, welcher die allgemeine Bildung anstrebt, sollte auch die allgemeine Gesundheit anstreben: Erst Gesundheit, dann Bildung." (Rudolf Virchow)

1848 engagierte er sich beim Märzaufstand der Berliner Bürgerschaft und stand selbst hinter einer Barrikade. Sein politisches Engagement hat er nie aufgegeben, er wurde 1859 Abgeordneter im Stadtparlament von Berlin, wo er sich unter anderem für die öffentliche Hygiene und das Schulwesen einsetzte, dann 1860 zu dem Mitbegründern der Fortschrittspartei gehörte, 1861 ins Preußische Abgeordnetenhaus kam und schließlich 1880 auch Abgeordneter des Reichstags wurde, dem er bis 1893 angehörte.

Seine medizinische Laufbahn wurde nach dem Staatsexamen 1847 zunächst mit der Stelle eines Prosektors am Leichenhaus der Charité gekrönt. Seine pathologischen Arbeiten machten ihn schnell bekannt, und 1847 erhielt er bereits eine Dozentur. 1849 berief man ihn als Ordinarius an die Universität Würzburg. In dieser Zeit entwickelte er die Zellularpathologie, die nach Friedrich Engels zu den größten Entdeckungen des 19. Jahrhunderts gehört, löste sie doch die bislang geltende Naturphilosophie zugunsten des Materialismus ab.

1874 wurde Rudolf Virchow Mitglied der Akademie der Wissenschaft in Berlin, leitete ein großes Institut und bildete Studierende aus. Außerdem gründete er ein pathologisches Museum, beschäftigte sich mit Anthropologie und begleitete den berühmten Historiker Heinrich Schliemann bei seinen Ausgrabungen in Troja. Virchow gehört auch zu den Gründern des Märkischen Museums in Berlin. Ein bemerkenswerter Mann!

Dieter Grunwald, in "Zwölf Apostel" Nr. 7

 
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