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Rundgang über unsere historischen Kirchhöfe
Bethel Henry Strousberg
Alter
Sankt-Matthäus-Kirchhof, Sektion Erb 98 I-oI
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Grabmal von Bethel Henry Strousberg (1823–1884) |
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Wer den Alten St.-Matthäus-Friedhof
betritt und an der Sektion der Erbbegräbnisse auf der Ostseite
des Kirchhofs entlang geht, kommt auf halber Höhe an das wuchtige
und auffällige, wenn auch nicht
gut erhaltene Grabmal von Bethel Henry Strousberg (1823–1884),
dem "Eisenbahnkönig".
In London aufgewachsen, hat er dort den Beruf eines Kaufmanns erlernt
und war auch als Journalist ziemlich erfolgreich, ehe er Anfang der
50er Jahre
des 19. Jahrhunderts nach Berlin kommt. Hier versuchte man, sich
die neue Erfindung Eisenbahn nutzbar zu machen. Viele Aktiengesellschaften
wurden
gegründet, aber die Profite fließen wegen der langen Bauzeiten
spärlich, und die Anleger hielten vielfach nur noch wertloses
Papier in Händen. Englische Finanziers sahen diese Unterentwicklung
in Preußen
und wollten selbst Eisenbahnen dort bauen. Sie fanden in Strousberg
einen Mann, der nicht nur ihrer Sprache mächtig war, sondern
auch die Bürokratie
und Mentalität in Deutschland kannte. Strousberg vertrat zu
dieser Zeit eine Versicherung und galt als Experte im Entwickeln
von Kalkulationen
unter Ausnutzung aller nur denkbaren Möglichkeiten. Sein Entwurf
für
die englischen Partner sieht eine modifizierte Aktienausgabe vor,
die das Risiko für Anleger gegen null führt. Diese Kalkulation
erwies sich als erfolgreich, wenn gleich der Gesetzgeber ein Auge
zudrücken
musste. Das System Strousberg funktionierte. Er baute es aus und
galt plötzlich
als ein Mann, der solche Projekte erfolgreich durchführen kann.
Die erste Strecke führte von Insterburg nach Tilsit, es folgten
eine Fülle
weiterer Strecken in Deutschland, aber auch in Ungarn, Russland und
Frankreich wird er erfolgreich Eisenbahnstrecken bauen.
Strousberg
engagiert sich
gesellschaftlich und sozial, so lässt er die Armen von Berlin
in Volksküchen
speisen und einen großen Schlachthof bauen. Für sich selbst
baut er ein monumentales Palais. Förderer und Bewunderer stellen
sich ein, zu den Förderern zählt auch Fürst Bismarck.
In einem Brief an Karl Marx stellt Friedrich Engels sarkastisch fest: "Der
größte Mann in Deutschland ist unbedingt der Strousberg.
Der Kerl wird nächstens Deutscher Kaiser. Überall, wohin
man kommt, spricht alles nur von Strousberg." Im Krieg gegen
Frankreich 1870/71 lässt Preußen seine Soldaten per Eisenbahn
aufmarschieren. Strousberg erwirbt Hütten und Walzwerke sowie
die Lokomotivfabrik Egestorff in Hannover. Nicht alle seine Vorhaben
gelingen, aber die
durch Pleiten gerissenen
Löcher kann er lange Zeit immer wieder stopfen. Sein ehrgeizigstes
Projekt bedeutete gleichzeitig auch sein Ende: die rumänischen
Eisenbahnen. Nach einem Aufstand in Bukarest beginnt sein Stern zu
verblassen, Bismarck
wandelt sich zum Gegner, ebenso der Berliner Bankier Adolf von Hansemann,
der Strousberg schließlich entmachtet. Strousberg verarmt und
bewohnt zum Schluss zwei Zimmer in einem Hotel, als er am 31. Mai
1884 stirbt.
Sein Gegenspieler Hansemann liegt auf dem Alten St. Matthäus-Kirchhof
nur unweit von ihm entfernt. Dieter Grunwald, in "Zwölf Apostel" Nr.
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