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(Sprüche 31,8)

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(Apostelgeschichte 14, 17)

Juli
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(Apostelgeschichte 18, 9.10)

JAHRESLOSUNG
2013
Wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zukünftige suchen wir.
(Hebräer 13, 14)


 

Rundgang über unsere historischen Kirchhöfe

Bethel Henry Strousberg
Alter Sankt-Matthäus-Kirchhof, Sektion Erb 98 I-oI

Foto: Dieter Grunwald
© Dieter Grunwald
Vergrößern (bitte ggf. JavaScript aktivieren)Grabmal von Bethel Henry Strousberg (1823–1884)
 

Wer den Alten St.-Matthäus-Friedhof betritt und an der Sektion der Erbbegräbnisse auf der Ostseite des Kirchhofs entlang geht, kommt auf halber Höhe an das wuchtige und auffällige, wenn auch nicht gut erhaltene Grabmal von Bethel Henry Strousberg (1823–1884), dem "Eisenbahnkönig". In London aufgewachsen, hat er dort den Beruf eines Kaufmanns erlernt und war auch als Journalist ziemlich erfolgreich, ehe er Anfang der 50er Jahre des 19. Jahrhunderts nach Berlin kommt. Hier versuchte man, sich die neue Erfindung Eisenbahn nutzbar zu machen. Viele Aktiengesellschaften wurden gegründet, aber die Profite fließen wegen der langen Bauzeiten spärlich, und die Anleger hielten vielfach nur noch wertloses Papier in Händen. Englische Finanziers sahen diese Unterentwicklung in Preußen und wollten selbst Eisenbahnen dort bauen. Sie fanden in Strousberg einen Mann, der nicht nur ihrer Sprache mächtig war, sondern auch die Bürokratie und Mentalität in Deutschland kannte. Strousberg vertrat zu dieser Zeit eine Versicherung und galt als Experte im Entwickeln von Kalkulationen unter Ausnutzung aller nur denkbaren Möglichkeiten. Sein Entwurf für die englischen Partner sieht eine modifizierte Aktienausgabe vor, die das Risiko für Anleger gegen null führt. Diese Kalkulation erwies sich als erfolgreich, wenn gleich der Gesetzgeber ein Auge zudrücken musste. Das System Strousberg funktionierte. Er baute es aus und galt plötzlich als ein Mann, der solche Projekte erfolgreich durchführen kann. Die erste Strecke führte von Insterburg nach Tilsit, es folgten eine Fülle weiterer Strecken in Deutschland, aber auch in Ungarn, Russland und Frankreich wird er erfolgreich Eisenbahnstrecken bauen.

Strousberg engagiert sich gesellschaftlich und sozial, so lässt er die Armen von Berlin in Volksküchen speisen und einen großen Schlachthof bauen. Für sich selbst baut er ein monumentales Palais. Förderer und Bewunderer stellen sich ein, zu den Förderern zählt auch Fürst Bismarck. In einem Brief an Karl Marx stellt Friedrich Engels sarkastisch fest: "Der größte Mann in Deutschland ist unbedingt der Strousberg. Der Kerl wird nächstens Deutscher Kaiser. Überall, wohin man kommt, spricht alles nur von Strousberg." Im Krieg gegen Frankreich 1870/71 lässt Preußen seine Soldaten per Eisenbahn aufmarschieren. Strousberg erwirbt Hütten und Walzwerke sowie die Lokomotivfabrik Egestorff in Hannover. Nicht alle seine Vorhaben gelingen, aber die durch Pleiten gerissenen Löcher kann er lange Zeit immer wieder stopfen. Sein ehrgeizigstes Projekt bedeutete gleichzeitig auch sein Ende: die rumänischen Eisenbahnen. Nach einem Aufstand in Bukarest beginnt sein Stern zu verblassen, Bismarck wandelt sich zum Gegner, ebenso der Berliner Bankier Adolf von Hansemann, der Strousberg schließlich entmachtet. Strousberg verarmt und bewohnt zum Schluss zwei Zimmer in einem Hotel, als er am 31. Mai 1884 stirbt. Sein Gegenspieler Hansemann liegt auf dem Alten St. Matthäus-Kirchhof nur unweit von ihm entfernt.

Dieter Grunwald, in "Zwölf Apostel" Nr. 8

 
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