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Rundgang über unsere historischen Kirchhöfe
Paul Simmel
Neuer
Zwölf-Apostel-Kirchhof, Außenmauer
Es gab im ersten Drittel des zwanzigsten Jahrhunderts in Berlin zwei
große Maler und Karikaturisten, die wie sonst niemand in Bildern
und Texten den einfachen und kinderreichen Familien nachspürten
und sie mit viel Humor und Herz festhielten: Heinrich Zille (1858–1929)
und Paul Simmel (1887–1933). Beide unterschieden sich jedoch im
Wesen und brachten dies auch in ihren Werken zum Ausdruck: In Zilles
Humor war immer auch eine versteckte Anklage gegen die Reichen und Geizigen
zu entdecken, diese "grausame Nuance" fehlte bei Paul Simmel.
Beide gelten zwar als Ur-Berliner, sind es aber nicht von Geburt. Zille
stammt aus Radeburg in Sachsen, Paul Simmel aus Ludwigslust in Mecklenburg-Vorpommern.
Seine Eltern betrieben dort ein Restaurant. Der Vater, Kunst nicht eben
freundlich gesonnen, wollte ihn in die Schlosser-Lehre stecken, Paul
zeichnete lieber. So kam er früh nach Berlin.
Beim Verleger Dr. Otto
Eysler erhielt er ein kleines Zimmer und ein noch kleineres Fixum; es
entstanden erste Zeichnungen für Eyslers "Lustige
Blätter". Fleiß, Beobachtungsgabe und sein Talent brachten
Paul Simmel bald einträgliche Aufträge, vor allem als Karikaturist
für die "Berliner Illustrierte". Simmel hat in seinen
Blättern den vom Leben Bedrückten und Gebeutelten eine Heimstatt
gegeben und gezeigt, dass selbst in den kleinsten Kneipen und schmierigsten
Destillen ein Pflänzchen gedeiht, das zum Tröster der leidenden
Menschen wird: der Humor. Simmel hatte einen besonderen Blick und ein
Ohr für die Kinder. Er selbst blieb in zwei Ehen kinderlos. Er verdiente
gut, fuhr einen eigenen Wagen und kleidete sich elegant, blieb aber auf
dem Boden. Als ihn eine unheilbare Krankheit befiel, setzte er seinem
Leben selbst ein Ende. Seinen Besitz vermachte er den Kriegsblinden.
Paul Simmels Grab befindet sich an der Außenmauer des Neuen Zwölf-Apostel-Kirchhofs. Dieter Grunwald, in "Zwölf Apostel" Nr.
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