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Rundgang über unsere historischen Kirchhöfe
Umbettungen zum Südwest-Kirchhof Stahnsdorf durch die
Nationalsozialisten
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Nord-Süd-Achse
für "Germania": Vorn der geplante
Südbahnhof, darüber Triumphtor
und Volkshalle |
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1938/39 wurden im Zusammenhang mit den Planungen Albert
Speers zur Umgestaltung Berlins in "Germania" (wie die Stadt
ab 1950 heißen sollte – siehe Foto des Modells) über
13000 Gräber
aus Schöneberg auf den Südwest-Kirchhof in Stahnsdorf umgesetzt.
Speer, Hitlers "Generalbauinspektor", plante für Berlin
als künftiges Zentrum eines großgermanischen Weltreiches eine
"Nord-Süd-Achse",
die am Reichstag beginnen und geradlinig nach Süden führen sollte.
Sie war als Hauptstraße und neuer Mittelpunkt der Stadt gedacht. Von
den Umgestaltungsplänen betroffen waren auch der Neue Zwölf-Apostel-Kirchhof,
Werdauer Weg, sowie der Alte und Neue Kirchhof der St.-Matthäus-Kirchengemeinde,
Großgörschenstraße bzw. am Priesterweg. Wo sie lagen, sollte
ein neues Reichsversicherungsamt und – als Endpunkt der Achse – ein
monumentaler "Südbahnhof" im Bereich des heutigen Bahnhofs
Papestraße entstehen. Beide Bauten blieben jedoch Papier, sie wurden
wie fast alle Vorhaben der Speerschen Stadtplanung durch den Krieg und
die Kapitulation des "Dritten Reiches" gestoppt.
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| Kirchhofsverwaltung Stahnsdorf |
Wiederaufbau
umgesetzter Grabmale auf dem Südwest-Kirchhof in Stahnsdorf
(um 1940) |
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Umbettungen von St. Matthäus
Noch vor Kriegsausbruch begann der "Generalbauinspektor" die
Schöneberger Begräbnisplätze für die "Neugestaltung"
Berlins aufzulösen. Im November 1938 wurde zunächst der Südteil
des Neuen Kirchhofs der St.-Matthäus-Kirchengemeinde am Priesterweg
(heute: Vierter Städt. Friedhof Schöneberg) für den Bau
des Großbahnhofs "entwidmet". Die Räumung betraf
ein Terrain von 4600 m² mit 1000 Grabstellen. 1940 sollte schließlich
auch der nördliche Teil des Friedhofs zerfurcht wurden. Noch stärker
traf es den Alten St.-Matthäus-Kirchhof: Im Februar 1939 wurde das
an der Großgörschenstraße gelegene, nördliche Friedhofsdrittel
in einer Größe von 5000 m² aufgehoben. Durch diese Maßnahme
wurde der 1855/56 angelegte, historisch gewachsene Gemeindekirchhof partiell
zerstört. 4500 Gräber mussten dem geplanten Reichsversicherungsamt
an der "N.-S.-Achse" weichen, darunter 120 Erbbegräbnisse.
Sie wurden auf der S-Bahnstrecke Wannsee-Stahnsdorf zum Südwest-Kirchhof
gebracht. Es war vorgesehen, 1941 auch den übrigen Friedhofsteil
zu bebauen, was der Kriegsausbruch verhinderte. Alter/Neuer Zwölf-Apostel-Kirchhof
Von der "Germania"-Planung berührt waren auch die beiden
Kirchhöfe von Zwölf Apostel. Im Januar 1939 wurde zunächst
der mittlere und südliche, 26000 m² umfassende Teil des Neuen
Zwölf-Apostel-Kirchhofs, Werdauer Weg, für den Bau des "Südbahnhofs"
gebraucht. Die "Entwidmung" betraf zwei Drittel des gesamten
Areals, wodurch der Kirchhof erheblich an Substanz verlor. Die Räumung
sollte bis Oktober 1939 beendet, und die Gräber von 7000 Toten sodann
dem Stahnsdorfer Friedhof eingefügt sein. Eine Umsetzung nach dem
Restteil des Neuen Zwölf-Apostel-Kirchhofs war nicht möglich,
da auch dieser später geräumt werden sollte. Die zunächst
für
1945 geplante Beseitigung des Alten Zwölf-Apostel-Kirchhofs in der
Kolonnenstraße fand nicht mehr statt. Die dort befindlichen Gräber
blieben von den Verwüstungen der Nationalsozialisten verschont.
Südwest-Kirchhof Stahnsdorf
Die meisten Wahl- und Reihengräber aus Schöneberg liegen heute
auf dem südlichen Teil des Stahnsdorfer Großfriedhofs, im
Bereich "Neue Umbettung". Die Erbbegräbnisse hat man
in einer Länge von 1,5 km an der Nordgrenze des Friedhofs, heutige
"Alte Umbettung", wiedererrichtet – darunter das Mausoleum
Langenscheidt, die Erbbegräbnisstätte von Richthofen und die
Grabanlage Reichelt. Was blieb, sind die Narben und Furchen auf den Kirchhöfen
im Stadtinnern, die durch die nationalsozialistischen Herrschaftsträume
radikal zerpflügt wurden.
Dirk Reimann
Der Autor studierte Germanistik und
Geschichte an der TU Berlin und führte
im Jahr 2001 ein Forschungsprojekt auf dem Südwest-Kirchhof Stahnsdorf
für die Stiftung Historische Kirchhöfe und Friedhöfe in
Berlin-Brandenburg durch.
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