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Öffne deinen Mund für den Stummen, für das Recht aller Schwachen!
(Sprüche 31,8)

Juni
Gott hat sich selbst nicht unbezeugt gelassen, hat viel Gutes getan und euch vom Himmel Regen und fruchtbare Zeiten gegeben, hat euch ernährt und eure Herzen mit Freude erfüllt.
(Apostelgeschichte 14, 17)

Juli
Fürchte dich nicht! Rede nur, schweige nicht! Denn ich bin mit dir.
(Apostelgeschichte 18, 9.10)

JAHRESLOSUNG
2013
Wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zukünftige suchen wir.
(Hebräer 13, 14)


 

Rundgang über unsere historischen Kirchhöfe

Josef Friedrich Naumann
Alter Zwölf-Apostel-Kirchhof, Mittelgang

Josef Friedrich Naumann (Foto: Friedrich-Naumann-Stiftung, Archiv des Liberalismus [FN2-22])
Friedrich-Naumann-Stiftung, Archiv des Liberalismus
Vergrößern (bitte ggf. JavaScript aktivieren)Josef Friedrich Naumann – eine der letzten Aufnahmen kurz vor seinem Tod im Jahr 1919
 

Der Weg eines Geistlichen war ihm an der Wiege gesungen: Josef Friedrich Naumann, am 25. März 1860 als Sohn des Pfarrers Friedrich Hugo Naumann und seiner Frau Marie Agathe in Störmthal bei Leipzig geboren. Sie war Tochter des Pfarrers Friedrich Ahlfeld, Prediger an St. Nikolai in Leipzig. In seinen Erinnerungen hat Naumann das Wesen der Mutter stärker beeindruckt, vor allem "eine innere Freiheit und Feinheit".

Nach der Volksschule zunächst Schüler im Nikolai-Gymnasium in Leipzig, wechselte Naumann 1876 in die Fürstenschule St. Afra in Meißen, wo sich das Zeichnen als Hobby entwickelte. Nach der Abschlussprüfung studierte er Theologie an der Theologischen Fakultät in Leipzig und ab 1881 in Erlangen bei Reinhold Frank, der ihn besonders beeindruckte. 1883 trat Naumann als "Oberhelfer" ins Rauhe Haus von Johann Hinrich Wichern in Hamburg ein. "Wichern war die großartigste und wirkungsvollste Erscheinung im evangelischen Deutschland des 19. Jh." schreibt Theodor Heuss. Bei Naumanns Antritt 1883 war Wichern schon zwei Jahre tot und sein Sohn Johannes leitete das Haus. Die Arbeit mit den schwierigen Kindern machte Naumann glücklich und "ließ ihn die Erkenntnis des sozialen Charakters des Menschen leichter werden …".

Nach seiner zweiten theologischen Prüfung wurde er Pfarrer in Langenberg, wo er auch seine Verlobte Magdalene Zimmermann am 6. November 1889 heiratete. Sie gebar ihm eine Tochter Elisabeth, die Naumann über alles liebte. Naumanns soziales Interesse führte ihn 1890 als Geistlichen zur Inneren Mission in Frankfurt am Main. Seine stetige Auseinandersetzung mit sozialen Fragen führte ihn in den Vorstand des Verbands ev. Arbeitervereine und er wurde Mittelpunkt der "Jüngeren Christlich Sozialen". Auf dem Kongress der Christlich Sozialen 1896 in Erfurt wurde der Nationalsoziale Verein gegründet und Naumann Vorsitzender.

1897 schied er aus dem Pfarrdienst aus und ging nach Berlin, um sich ganz der Politik zu widmen. 1903 löste sich der Verein nach einer Wahlniederlage auf und Naumann ging mit der Mehrheit der Mitglieder in den Wahlverein der Liberalen. 1907 kandidierte er für die Liberalen und gewann das Mandat. 1912 verlor er bei einer Stichwahl gegen den sozialdemokratischen Kandidaten sein Reichstagsmandat, kam aber 1913 durch eine Nachwahl zurück, nachdem der Nationalliberale Gustav Stresemann verzichtete und zur Wahl Naumanns aufrief. Während des Ersten Weltkriegs war Naumann neben seiner Reichstagstätigkeit vermehrt für die von ihm 1895 gegründete Wochenzeitschrift "Die Hilfe" tätig, hielt Vorträge im In- und Ausland. Die Arbeit erschöpfte den Asthmaleidenden sehr.

Nach dem Ende des Krieges war Friedrich Naumann Mitglied der verfassungsgebenden Versammlung in Weimar. Er wurde als Abgeordneter von Berlin-Schöneberg in die Nationalversammlung gewählt und gründete 1919 die Deutsch-Demokratische Partei (DDP), deren erster Parteitag vom 19. bis 22. Juli 1919 in Berlin stattfand. Wegen seines angeschlagenen Gesundheitszustands begab sich Naumann im darauffolgenden Monat an die Ostsee, wo er am 24. August 1919 in Travemünde verstarb.

Die von Naumann gegründete DDP ist die Vorläuferpartei der heutigen FDP, die 1958 im Haus des Bundespräsidenten Theodor Heuss ihre Stiftung nach Friedrich Naumann benannte und gründete.

Dieter Grunwald, in "Zwölf Apostel" Nr. 12

 
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