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Mitten im Leben: Die Kirchhöfe unserer Gemeinde
Die Evangelische Zwölf-Apostel-Kirchengemeinde ist Träger von drei Friedhöfen in Berlin-Schöneberg: Der Alte und der Neue Zwölf-Apostel-Kirchhof sowie der Alte St.-Matthäus-Kirchhof liegen als grüne Inseln in der dicht besiedelten Innenstadt.
Äußerlich ist der Alte Zwölf-Apostel-Kirchhof in den Stadtteil integriert: Vor einigen Jahren entstand als Überbauung des Eingangs Kolonnenstraße ein Wohnhaus und Geschäftsgebäude. Mit dem Erlös aus dem Erbpachtvertrag wurden die Kirchhofsgebäude neu errichtet, die Kapelle generalsaniert und das gesamte Wasserleitungssystem des Kirchhofs erneuert.
Während so der Alte Zwölf-Apostel-Kirchhof als Vorzeigemodell gelten kann, wartet der Alte Sankt-Matthäus-Kirchhof, im Jahr 2000 mit der Gemeindefusion in die Verantwortung von Zwölf Apostel übergegangen, mit Problemen auf. Er birgt nicht nur viele Berliner Ehrengräber, sondern eine Fülle finanzieller und organisatorischer Lasten, die sich nicht alleine durch Fleiß und Engagement der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter abtragen lassen. Der Gemeindekirchenrat befindet sich hierüber im intensiven Austausch mit dem Konsistorium der evangelischen Landeskirche. Denn im Gegensatz zu städtischen Friedhöfen erhalten kirchliche keine staatlichen Zuschüsse.
Historische Gräber, neue Eigentümer
Eine Idee des Kirchhofverwalters leistet inzwischen einen wichtigen Beitrag zu Pflege und Erhalt: Freie, denkmalgeschützte Grabmale können im Rahmen einer Grabpatenschaft erworben werden, auch wenn sie erst in der Zukunft genutzt werden sollen. Im Gegenzug besteht die Verpflichtung zur Instandsetzung und laufenden Pflege. In der Regel entstehen kaum höhere Kosten als bei der Neuerrichtung einer Grabstätte.
Kirchhöfe sind Auftrag der Gemeinde
Ob muslimisch, orthodox oder konfessionslos – die Kirchhöfe der Gemeinde stehen nicht nur allen offen. Der besondere Umgang mit dem Tod drückt sich auch in der Achtsamkeit aus, die die Kirchhof-Mitarbeiter/innen Verstorbenen und deren Angehörigen entgegenbringen. Dies zeigt sich in vielerlei Hinsicht: beispielsweise darin, dass ein Sarg oder eine Urne stets zunächst Platz in der Kapelle findet und von dort zur letzten Ruhestätte begleitet wird; auch darin, dass bei Trauerfeiern statt Musik vom Band stets ein Organist anwesend sein kann oder anstelle "anonymer" Bestattung bei nahezu gleichen Kosten eine Gemeindegrabstätte Verstorbene aufnimmt.
Was vor allem beeindruckt, ist die Zeit, Ruhe und Freundlichkeit, mit der hier Menschen empfangen und kompetent beraten werden.
Zu Lebzeiten informieren
Praktische Dinge über den eigenen Tod hinaus zu regeln, ist mit Blick auf Familie, Freunde oder diejenigen, die dann die letzten Angelegenheiten besorgen müssen, verantwortliches Handeln. Andererseits kann es schwer fallen, sich mit diesen Fragen auseinanderzusetzen, und es ist nicht zuletzt Vertrauenssache. Im Gespräch mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Kirchhöfe ist festzustellen, dass es ihnen nicht nur um den Verkauf von Dienstleistungen geht.
Wer sich um die spätere Grabpflege sorgt, kann die gärtnerischen Arbeiten im voraus verfügen. Neben den vier Beschäftigten in der Verwaltung kümmern sich auf den drei Gemeinde-Kirchhöfen neun Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter um den Erhalt von Grabstellen und Außenanlagen – von der Bepflanzung und Pflege über die Instandhaltung bis zur Säuberung und dem Eindecken der Gräber zum Winter.
Rund 300 Beisetzungen finden jedes Jahr auf den Kirchhöfen der Zwölf-Apostel-Gemeinde statt. Für viele Verstorbene wird die sogenannte Wahlstelle gewünscht: der Lieblingsplatz auf dem Kirchhof und die Möglichkeit, die Nutzungsdauer über die gesetzliche Ruhezeit von derzeit 20 Jahren hinaus zu verlängern. Dies gilt sowohl für Erdbestattungen, als auch für Urnenbeisetzungen.
Zeugnisse des Glaubens
Der Besuch der Gemeindekirchhöfe lohnt, sei es als Spaziergang in einer Oase mitten im Großstadttrubel oder als Entdeckungsreise auf den Spuren der Brüder Grimm, Rudolf Virchows oder anderer Prominenter. Die Kirchhofsverwaltung bietet nicht nur Führungen an, sie hält darüber hinaus auch Informationen bereit, wenn Sie sich für einen der Kirchhöfe als letzte Ruhestätte interessieren – für die Zukunft oder aktuell für einen Angehörigen.
Vielleicht machen Sie bei Ihrem Rundgang auch die Erfahrung, dass die vermeintlich letzten Dinge doch nur die vorletzten sind, dass wir dadurch, wie wir mit dem Tod und den Verstorbenen umgehen, auch etwas über unser Leben ausdrücken. Viele Grabsprüche bezeugen den Glauben und die Hoffnung derer, die uns nur vorausgegangen sind.
Stefan M. Schult de Morais
überarbeitet Lutz Mertens
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