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Druckfassung am 19.05.2013, 14.24 Uhr, von:
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Rundgang über unsere historischen Kirchhöfe

Paul Simmel
Neuer Zwölf-Apostel-Kirchhof, Außenmauer

Es gab im ersten Drittel des zwanzigsten Jahrhunderts in Berlin zwei große Maler und Karikaturisten, die wie sonst niemand in Bildern und Texten den einfachen und kinderreichen Familien nachspürten und sie mit viel Humor und Herz festhielten: Heinrich Zille (1858–1929) und Paul Simmel (1887–1933). Beide unterschieden sich jedoch im Wesen und brachten dies auch in ihren Werken zum Ausdruck: In Zilles Humor war immer auch eine versteckte Anklage gegen die Reichen und Geizigen zu entdecken, diese "grausame Nuance" fehlte bei Paul Simmel. Beide gelten zwar als Ur-Berliner, sind es aber nicht von Geburt. Zille stammt aus Radeburg in Sachsen, Paul Simmel aus Ludwigslust in Mecklenburg-Vorpommern. Seine Eltern betrieben dort ein Restaurant. Der Vater, Kunst nicht eben freundlich gesonnen, wollte ihn in die Schlosser-Lehre stecken, Paul zeichnete lieber. So kam er früh nach Berlin.

Beim Verleger Dr. Otto Eysler erhielt er ein kleines Zimmer und ein noch kleineres Fixum; es entstanden erste Zeichnungen für Eyslers "Lustige Blätter". Fleiß, Beobachtungsgabe und sein Talent brachten Paul Simmel bald einträgliche Aufträge, vor allem als Karikaturist für die "Berliner Illustrierte". Simmel hat in seinen Blättern den vom Leben Bedrückten und Gebeutelten eine Heimstatt gegeben und gezeigt, dass selbst in den kleinsten Kneipen und schmierigsten Destillen ein Pflänzchen gedeiht, das zum Tröster der leidenden Menschen wird: der Humor. Simmel hatte einen besonderen Blick und ein Ohr für die Kinder. Er selbst blieb in zwei Ehen kinderlos. Er verdiente gut, fuhr einen eigenen Wagen und kleidete sich elegant, blieb aber auf dem Boden. Als ihn eine unheilbare Krankheit befiel, setzte er seinem Leben selbst ein Ende. Seinen Besitz vermachte er den Kriegsblinden. Paul Simmels Grab befindet sich an der Außenmauer des Neuen Zwölf-Apostel-Kirchhofs.

Dieter Grunwald, in "Zwölf Apostel" Nr. 9

 

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