Wolfgang Döring
Sozialarbeiter in Zwölf Apostel bis 2004 Die Stellenbeschreibung im Arbeitsvertrag von 1992 siedelt den
Sozialarbeiter der Gemeinde im diakonisch-sozialpädagogischen
Bereich an. Hier war ursprünglich an die Arbeit mit Erwachsenen
und Senioren gedacht. Durch den Stellenabbau der letzten Jahre
und dadurch entstandene Lücken universalisierte sich allerdings
der Aufgabenbereich von Wolfgang Döring. So laufen beim Sozialarbeiter
von Zwölf Apostel letztendlich die Fäden unserer Gemeinde
zusammen. Daher ist es für uns fast unvorstellbar, dass im
Dezember seine Dienstzeit endet, denn dann geht er in den Ruhestand.
Ich
treffe mich mit ihm zum Interview in seinem Büro im Gemeindezentrum.
Das Sofa und die Bücherregale verleihen dem Raum etwas Gemütliches.
Bei Kaffee und Keksen vertraut mir Wolfgang Döring an, dass
er schon immer Sozialarbeiter werden wollte. Sein Wunsch sollte
sich aber nicht auf direktem Weg erfüllen, denn zunächst
musste er eine Ausbildung zum Offsetdrucker machen, da der Vater
im grafischen Bereich tätig war.
Aber er ist, wie ich erfahre,
mit langen Wegen fast von Geburt an vertraut. 1944 im heutigen
Tschechien geboren, befand sich Wolfgang
nämlich schon im Alter von nur acht Monaten 1945 mit Mutter
und Bruder flüchtend auf der Landstrasse in Richtung Berlin.
"Bei meiner Ankunft dort wog ich weniger als bei meiner Geburt",
erzählt er. Aus seinen Worten höre ich das Bewusstsein
und die Dankbarkeit darüber heraus, damals das Leben ein zweites
Mal geschenkt bekommen zu haben. Im Anschluss an die Gesellenprüfung
folgte eine einjährige Tätigkeit als Offsetdrucker, bevor
er sich entschloss, an der Katholischen Akademie für Sozialarbeit
zu studieren. Das waren damals die heißen 68er Jahre, merkt
er an, und er habe sich als Vorsitzender des Studentenausschusses
engagiert. Nach erfolgreichem Abschluss des Studiums arbeitete
Wolfgang Döring zunächst im Sozialpsychiatrischen Dienst
in Wilmersdorf und anschließend in der ersten Klinik Berlins
für Drogenkranke, bevor er – in der Kirchengemeinde
Schlachtensee bei den Pfarrern Karnetzki und Albertz – mit
der evangelischen Kirche in Kontakt kam. Eigentlich war der Sohn
eines konservativen katholischen Vaters und einer eher liberalen
protestantischen Mutter katholisch. Doch dann habe er begriffen,
"dass Luther und die Reformation wirklich eine große
Sache waren".
So mündete sein weiterer Weg nicht in eine gut honorierte
höhere Beamtenlaufbahn – "Das ist nicht meine
Sache" –, sondern führte in die Sozialarbeit der
evangelischen Kirche. Fünf Jahre leitete er das Kinderheim
Lindenhof, bildete sich dann in den Bereichen Gemeindeberatung
und Supervision fort. Zuletzt war er als Sozialpädagoge in
der Gemeindeberatung des Kirchenkreises Kreuzberg tätig. Nach
dieser Tätigkeit war der Weg zu Zwölf Apostel gleichsam
ein Weg zurück zur Basis, was er jedoch nie bereut hat. Die
Arbeit bereitet Wolfgang Döring größtenteils Freude.
Das verdankt er auch seiner Frau Almuth, die als Psychotherapeutin
für Kinder und Jugendliche gleichfalls im sozialen Bereich
tätig ist: "Mit meiner Frau kann ich darüber reflektieren,
was so im Beruf passiert – und dann wieder nach vorne schauen."
Der
ehemalige grafische Beruf kommt in Wolfgang Dörings Hobbys
zum Ausdruck: Neben der Fotografie erschafft er Licht- und Tonkollagen
sowie Installationen. Auch Reisen zählt er zu seinen Hobbys:
"Ich reise aus Neugier, um zu wissen, wie es anderswo ist."
Roswitha Döhrendahl, in "Zwölf
Apostel" Nr. 9
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