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Druckfassung am 09.09.2010, 17.44 Uhr, von:
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REIHE: DIE ZWÖLF APOSTEL
Simon Petrus

Auf diesem nicht unterspülbaren Felsen (Petros) errichtet Jesus seine Gemeinde, weil er noch zu Lebzeiten seiner Jünger mit einem ziemlich stürmischen Ende rechnet (Mt 7,24; 16,18). Ein Papsttum war dabei nicht eingeplant. Auch dass sich dies die Frau des Fischers wünschte, ist nicht überliefert. Richtig ist aber: Petrus lebte nicht im Zölibat (Mk 1,29 par), auch später nimmt er seine bessere Hälfte mit auf Missionsreise (1Kor 9,5). Sein Sohn Markus lässt aus Rom grüßen (1Ptr 5,13) und man munkelt von einer Tochter Petronilla (Acta Petri).

Der Schlüssel zum Himmel wurde allen Jüngern, vielleicht sogar allen Gläubigen übergeben (Mt 18,18), nicht nur Petrus (Mt 16,19). Und von Kirchenstaat und Unfehlbarkeit fiel damals kein Wort. Aber immerhin, Petrus bekam die Aufsicht über die Himmelsschleusen, und so wird ihm noch heute gedankt, wenn es beim Endspiel nicht regnet.

Ehrgeizig war er jedenfalls. "Die Szene am See Genezareth illustriert in der Tat den Charakter des Petrus: Er ist impulsiv, enthusiastisch, zögert nicht, sich in der ersten Begeisterung ins Meer zu werfen, als Jesus ihn ruft, aber bald erschlafft sein Mut, und Furcht ergreift ihn [Mt 14,28ff]. So bekennt er auch laut als erster seine Treue zum Meister, aber er ist der erste, der ihn in der Stunde der Gefahr verleugnen wird." (Cullmann)

Petrus ist immer einer der ersten und bei allen wesentlichen Events im innersten Kreis mit dabei, sogar bei der Verklärung. Und doch, immer wieder muss Jesus ihn zur Versöhnlichkeit ermahnen (Mt 18,15ff, Lk 17,3 ff), ja zur Raison rufen: "Geh hinter mich, Satan! Du bist mir ein Ärgernis, denn du sinnst nicht auf das, was Gottes, sondern auf das, was der Menschen ist." (Mt16,23). Bei der Gefangennahme Jesu haut er einem Polizei-Knecht mit dem Schwert das Ohr ab (Joh 18,10): Widerstand gegen die Staatsgewalt, versuchte Gefangenenbefreiung und schwere Körperverletzung in Tateinheit. Jesus muss das Ohr wieder dranheilen (Lk 22,51), Petrus flieht. Danach will er um so ziemlich jeden Preis in das Haus, wo das Verhör seines Herrn stattfindet, aber ein Sprachproblem stürzt ihn außen wie innen in herbe Konflikte.

Mit Johannes streitet er gern um den Vortritt: Wer ist zuerst am Grab, sieht zuerst hinein und wer hat zuerst die Bedeutung erfasst? (Joh 20,3–8). Der Auferstandene findet, Petrus solle lieber vor seiner eigenen Tür kehren: "Was geht es dich an? Du folge mir nach!" (Joh 21,21f) Der Streit um das Primat war ja auch etwas albern, denn es war schließlich Maria Magdalena, die dem Auferstandenen zuerst begegnete (o heiliger Bimbam, eine Frau!). Petrus soll sowieso schon ziemlich eifersüchtig auf sie gewesen sein und habe sie sogar aus dem Kreis der Apostel ausschließen wollen (Thomas-Evangelium 114).

Um das Jahr 41 gibt er einem konvertierten Christenverfolger zwei Wochen Nachhilfe in Sachen Jesus (Gal 1,18). Als der Haudrauf in schwere Festungshaft kommt, so lese ich zwischen den Zeilen, kann sich der Novize revanchieren und lässt seine guten Beziehungen zu Herodes spielen (vgl. Apg 25,13ff), Petrus flieht (Apg 12). Etwas später (um 49) wird jener ehemalige Petrus-Schüler (ja, ich rede von Paulus) ihn in Antiochia als Heuchler bloßstellen (Gal 2,13). (Von wegen Primat des Papstes!)

Zwei Briefe in unserer Bibel tragen den Namen des Petrus, aber angeblich handelt es sich dabei nur um spätere fromme Fälschungen, vornehmer um "Pseudepigraphen". Ob Petrus bis nach Rom flieht, ist auch ungewiss. Dort soll Markus jedenfalls die Predigt des Petrus mitgeschrieben haben. Nach einer Legende wurden "Peter und Paul" in trauter Harmonie angeblich am selben Tag von Nero hingerichtet, aber der singende Kaiser war zu dieser Zeit in Griechenland auf Tournee. Oder, so will es eine andere Legende: Nero verfolgt die Christen in Rom, Petrus flieht. Er begegnet Jesus und fragt "Wohin gehst du?" (Quo vadis?) "Ich gehe, mich erneut kreuzigen zu lassen!" Petrus merkt, dass er nun nicht mehr zögern und fliehen darf, kehrt enthusiastisch um und lässt sich, damit es besonders qualvoll sei, mit dem Kopf nach unten kreuzigen. Wenn diese Story vielleicht auch nicht stimmt, so ist sie doch gut erfunden, weil sie dem Wesen Petri, wie es uns in der Bibel begegnet, entspricht.

Dass die ersten Nachfolger Jesu auch nur Menschen waren, wie du und ich, dass sie immer wieder Fehler machten und Schwächen zeigten, wird selten so anschaulich wie bei Simon Kepha, dem Sohn des Jona. Aber Petrus konnte zu seinen Fehlern stehen, darüber traurig sein und daraus lernen. Und das ist sehr, sehr viel. Diese Fähigkeit, nicht sein Schwert, hat ihn glaubwürdig gemacht, bis heute. Diese Stärke machte aus Petrus den "Felsen".

Foto: Schult de Morais/diálogo

Thomas Völker

Literaturtipps: Raul Niemann (Hg.): Petrus. Der Fels des Anstoßes. Stuttgart 1994. Carsten Peter Thiede: Geheimakte Petrus. Auf den Spuren des Apostels. Stuttgart 2000.


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