WARUM ICH GLAUBE
von Edmund Mangelsdorf
Meine liebe Mutter gab mir zwar das Fundament des kindlichen Gebets an Gott und Christus, aber mit der Pubertät rückte ich mehr und mehr von diesem kindlichen Glauben ab in eine aufgeklärtere Weltsicht, wie ich glaubte. Nur mit Rücksicht auf die Eltern und die Konventionen stimmte ich meiner Konfirmation schließlich zu, die eigentlich eine Defirmation zu nennen gewesen wäre, eine Entfestigung vom Glauben. Dann sollte es aber ganz anders kommen.
Ein alter Freund der Familie war das erste Mal nach dem Krieg wieder einmal in Berlin und besuchte uns. Er wusste Erstaunliches zu berichten. Im Verlauf des Gesprächs unterhielten wir uns auch über den großen Erzieher und Heiligen der katholischen Kirche, Don Bosco, und dessen jugendlich verstorbenen Schüler Domenico Savio. Von diesem hatte ich bereits vorher während eines früheren zweijährigen Internatsaufenthalts im Don-Bosco-Heim gehört und eine innere Nähe zu ihm bekommen. Als nun mein Gesprächspartner ganz einfach davon sprach, dass dieser Domenico gerade jetzt geistig anwesend sei, sich über meine Freundschaft zu ihm freue und mich sehr herzlich grüßen lasse, blieb mir die Welt für einen Augenblick stehen. In diesen Sekunden des Schweigens widerstritten meine inzwischen gewonnenen vermeintlichen Erkenntnisse mit dem eben Gehörten auf heftige Weise: Was erzählt dieser Mann denn da! Ist der noch recht bei Trost? Domenico (1842–1857) ist schon hundert Jahre tot, wie kann er jetzt anwesend sein! Wie kann jemand so etwas behaupten?!
Aber da öffnete sich etwas in mir. Ich bekam das soeben Behauptete in einer Weise bestätigt, die mich vollkommen überwältigte. Ströme einer bisher noch nicht wahrgenommenen Liebe ergossen sich in mein Herz, das davon überfloss. Ich vermeinte Domenicos himmlisches Liebewesen ganz deutlich zu spüren und war voll großer Dankbarkeit. Die theoretischen Vorbehalte waren angesichts dieser Liebe zusammengeschmolzen in ein Nichts. Dieses Erfülltsein hielt wochenlang an und durchstrahlte mich auf ungekannte Weise.
Von den Eltern erfuhr ich es dann: Das war Carl Welkisch, der besondere Mystiker, mit dem ich gesprochen hatte und durch dessen Vermittlung ich damals vor sieben Jahren vor dem sicheren Tod durch eine weit fortgeschrittene Tuberkulose bewahrt worden war. Er schickte mir dann sein gerade (1957) erschienenes Buch "Im Geistfeuer Gottes", und ich erlebte beim Lesen dann immer wieder diese inneren für mich tief erschütternden Bestätigungen des dort Gesagten. Und so verband mich mit Carl Welkisch eine jahrelange bis zu seinem Tode und nun darüber hinaus reichende Freundschaft.
So hatte ich durch die Vermittlung eines Menschen meine echte Konfirmation nachgeholt, meine Befestigung im Glauben. Denn meine drängenden Fragen wurden mir sinnhaft deutlich und schlüssig beantwortet: Gibt es einen Gott? Ist Christus dieser zentrale Wohltäter der Menschheit und Vermittler zu Gott? Gibt es ein persönliches Fortleben nach dem Tod, sofort oder erst nach dem "Jüngsten Gericht"? Warum dieses Leben hier mit so viel Leid? Und es gab der Fragen noch viele mehr.
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Und die Kirche? Sie ist für mich der Ort, auf Menschen zu treffen, denen Christus auch etwas bedeutet und mit denen ich gemeinsam im Gottesdienst und im Gespräch den Segen von oben immer wieder erleben darf.
Edmund Mangelsdorf |
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