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MONATSSPRUCH

Juni
Gott spricht: Suchet mich, so werdet ihr leben.
(Am 5,4)

Juli<
So bekehre dich nun zu deinem Gott, halte fest an Barmherzigkeit
und Recht und hoffe stets auf deinen Gott!
(Hos 12,7)

August<
Jesus Christus spricht: Ihr urteilt, wie Menschen urteilen,
ich urteile über keinen.
(Joh 8,15)

JAHRESLOSUNG
2010
Jesus Christus spricht: Euer Herz erschrecke nicht. Glaubt an Gott und glaubt an mich
(Johannes 14,1)


 
Wolfgang Döring (Foto: Almuth Andres)
© Almuth Andres
Vergrößern (bitte ggf. JavaScript aktivieren)Wolfgang Döring
 
Wolfgang Döring
Sozialarbeiter in Zwölf Apostel bis 2004

Die Stellenbeschreibung im Arbeitsvertrag von 1992 siedelt den Sozialarbeiter der Gemeinde im diakonisch-sozialpädagogischen Bereich an. Hier war ursprünglich an die Arbeit mit Erwachsenen und Senioren gedacht. Durch den Stellenabbau der letzten Jahre und dadurch entstandene Lücken universalisierte sich allerdings der Aufgabenbereich von Wolfgang Döring. So laufen beim Sozialarbeiter von Zwölf Apostel letztendlich die Fäden unserer Gemeinde zusammen. Daher ist es für uns fast unvorstellbar, dass im Dezember seine Dienstzeit endet, denn dann geht er in den Ruhestand.

Ich treffe mich mit ihm zum Interview in seinem Büro im Gemeindezentrum. Das Sofa und die Bücherregale verleihen dem Raum etwas Gemütliches. Bei Kaffee und Keksen vertraut mir Wolfgang Döring an, dass er schon immer Sozialarbeiter werden wollte. Sein Wunsch sollte sich aber nicht auf direktem Weg erfüllen, denn zunächst musste er eine Ausbildung zum Offsetdrucker machen, da der Vater im grafischen Bereich tätig war.

Aber er ist, wie ich erfahre, mit langen Wegen fast von Geburt an vertraut. 1944 im heutigen Tschechien geboren, befand sich Wolfgang nämlich schon im Alter von nur acht Monaten 1945 mit Mutter und Bruder flüchtend auf der Landstrasse in Richtung Berlin. "Bei meiner Ankunft dort wog ich weniger als bei meiner Geburt", erzählt er. Aus seinen Worten höre ich das Bewusstsein und die Dankbarkeit darüber heraus, damals das Leben ein zweites Mal geschenkt bekommen zu haben. Im Anschluss an die Gesellenprüfung folgte eine einjährige Tätigkeit als Offsetdrucker, bevor er sich entschloss, an der Katholischen Akademie für Sozialarbeit zu studieren. Das waren damals die heißen 68er Jahre, merkt er an, und er habe sich als Vorsitzender des Studentenausschusses engagiert. Nach erfolgreichem Abschluss des Studiums arbeitete Wolfgang Döring zunächst im Sozialpsychiatrischen Dienst in Wilmersdorf und anschließend in der ersten Klinik Berlins für Drogenkranke, bevor er – in der Kirchengemeinde Schlachtensee bei den Pfarrern Karnetzki und Albertz – mit der evangelischen Kirche in Kontakt kam. Eigentlich war der Sohn eines konservativen katholischen Vaters und einer eher liberalen protestantischen Mutter katholisch. Doch dann habe er begriffen, "dass Luther und die Reformation wirklich eine große Sache waren". So mündete sein weiterer Weg nicht in eine gut honorierte höhere Beamtenlaufbahn – "Das ist nicht meine Sache" –, sondern führte in die Sozialarbeit der evangelischen Kirche. Fünf Jahre leitete er das Kinderheim Lindenhof, bildete sich dann in den Bereichen Gemeindeberatung und Supervision fort. Zuletzt war er als Sozialpädagoge in der Gemeindeberatung des Kirchenkreises Kreuzberg tätig. Nach dieser Tätigkeit war der Weg zu Zwölf Apostel gleichsam ein Weg zurück zur Basis, was er jedoch nie bereut hat. Die Arbeit bereitet Wolfgang Döring größtenteils Freude. Das verdankt er auch seiner Frau Almuth, die als Psychotherapeutin für Kinder und Jugendliche gleichfalls im sozialen Bereich tätig ist: "Mit meiner Frau kann ich darüber reflektieren, was so im Beruf passiert – und dann wieder nach vorne schauen."

Der ehemalige grafische Beruf kommt in Wolfgang Dörings Hobbys zum Ausdruck: Neben der Fotografie erschafft er Licht- und Tonkollagen sowie Installationen. Auch Reisen zählt er zu seinen Hobbys: "Ich reise aus Neugier, um zu wissen, wie es anderswo ist."

Roswitha Döhrendahl, in "Zwölf Apostel" Nr. 9

 
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