|
Daniel Friedrichs
Was ist eigentlich ein Kirchmeister? Gemäß Grundordnung
ist er mit der Sorge für die wirtschaftlichen Angelegenheiten
der Kirchengemeinde betraut. Der Rechtsanwalt Daniel Friedrichs,
ein Spezialist im Miet- und Grundstücksrecht,
bringt für dieses Amt von Haus aus gute Voraussetzungen mit.
Der hochgewachsene Chorist im besten Mannesalter ist nicht nur
als Tenor eine begehrte Stimme. Vielen ist der leidenschaftliche
Sänger bekannt aus seinem Engagement als stv. Vorsitzender
des Gemeindebeirates.
Schon als Kind faszinierte ihn die Musik, der er auf den rund
300 Klaviertasten seines Elternhauses nachspürte, indem er sich
eigenhändig Bach und Chopin zuzog. Im Kreuzfeuer seiner sprachbegabten
Schwestern lernte er das Chaos des Lebens mit kurzen, prägnanten
Wortbeiträgen zu bestehen. Genießer schätzen seine
pointierten Zuspitzungen, die oft helfen, unangenehme Dinge beim
Namen zu nennen, um sie ausräumen zu können.
Dem ersten Anschein zum Trotz ist bei Daniel Friedrichs die Juristerei
nie Selbstzweck. Sein Herz gehört den Armen und Bedrängten,
denen, die keine Stimme haben, denen die mundtot gemacht wurden.
Glück – das hat das Kind einer Großfamilie verinnerlicht – gibt
es nur in der Gemeinschaft mit anderen. Für andere offen sein
ist ein Geschenk, das sich nicht erzwingen lässt. Einen Friedrichs
aus der Ruhe bringen wäre ein Kunststück. Geduldig und
sachlich mahnt er an, ordnet, bleibt am Thema, benennt die Notwendigkeiten.
Wie
mit der kargen aber nie inhaltsleeren Sprache, so hält
es Friedrichs in allen Dingen, nicht zuletzt auch beim Essen: Ein
einfaches, mit Liebe zubereitetes Mahl zieht er opulenter Schlemmerei
vor.
Den unentwegten Radler begeistert die Formenvielfalt der Erdoberfläche;
die größte Faszination übt dabei die Bergwelt auf
ihn aus. Dort lässt er sich herausfordern, eigene Grenzen
zu überwinden und körperliche Bedürfnisse hintanzustellen.
Die wenigen freien Tage, die ihm seine Arbeit lässt, verbringt
der 40jährige gern in den Alpen. Hier oben, auf den Gipfeln,
kann er sich der Schöpfung nah fühlen, deren Bewahrung
ihm am Herzen liegt.
Entspannung findet der vielseitig engagierte
Kirchmeister in Stille und Kontemplation. Dabei ist der gebürtige
Kölner kein
Kind von Traurigkeit. Daniel Friedrichs weiß, dass nicht
jeder seinen unrheinisch trockenen Humor teilt. Getreu dem Motto
seiner Heimat, "Leben und leben lassen", nimmt er die
Menschen wie sie sind. Gegenseitige Achtung und Respekt sind ihm
wichtig. Auf meine Frage, ob er lieber einen guten Freund verlieren
würde, als auf eine Pointe zu verzichten, winkt er entrüstet
ab, und zwinkert mir kurz darauf zu: "Nun, vielleicht nicht
gerade einen guten Freund …"
Thomas Völker, in "Zwölf
Apostel" Nr. 12
|