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Apsisfenster der Zwölf-Apostel-Kirche (Detail) |
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PFINGSTEN
Fest des bewegenden Geistes Gottes
Was feiern wir eigentlich an Pfingsten? Das Wort selber kommt aus dem Griechischen
(pentecoste) und heißt übersetzt: der fünfzigste (Tag).
Damit wird der Festkreis, der in der Osternacht beginnt, abgeschlossen.
Erst relativ spät, seit dem 4. Jahrhundert, wird dieses dritte Hochfest
der Kirche gefeiert. Neben Weihnachten und Ostern führt es bei uns
ohne Frage ein Schattendasein. Sehr zu unrecht! Es erinnert an
die Ausgießung
des Heiligen Geistes, wie er in der Apostelgeschichte im 2. Kapitel
geschildert wird. Der Geist Gottes befähigt die bis dahin verunsicherte
Jüngerschar,
die Botschaft Jesu weiterzugeben "in allen Sprachen", das heißt
für alle verständlich. Damit beginnt also die Geschichte der Kirche.
Aber Pfingsten ist nicht einfach der "Geburtstag der Kirche".
Pfingsten ist Erinnerung und Erwartung des Heiligen Geistes. "Komm,
o komm du Geist des Lebens": vor allem die Pfingstlieder sind Rufe
nach einer Wahrheit, Freude und Fülle, nach einem Trost und einer Kraft,
die uns ergreifen, unser Leben erneuern und bewegen soll, wie Sonne
und Regen die Erde zum Blühen bringen in diesen Frühlingstagen.
Pfingsten ist ein Frühlingsfest, ein Fest des Aufbruchs und Neubeginns,
wie Ostern.
Nun führt dieses bewegende und bewegte Fest des Geistes Gottes bei
uns nur noch ein Aschenputtel-Dasein. Eine Kirche mit festen Ämtern
und Traditionen wird vom unkontrollierbaren Daherbrausen des Geistes eher
irritiert. Doch gerade große, alte Institutionen brauchen dringend
die weite Öffnung zu allen möglichen Geistern und Bewegungen um
sie herum, wenn sie nicht ins Abseits geraten und erstarren wollen.
In der Ursprache der Bibel, dem Hebräischen, ist Geist (ruach) weiblich:
Mutter allen Lebens – nicht nur des religiösen oder guten oder
"spirituellen",
sondern auch des leiblichen, in all seinen Dimensionen. Diese "große
Mutter", Weisheit, Atem, Heilerin, Trösterin, Bewegerin ergänzt
und korrigiert ein einseitig männlich definiertes Gottesbild. Auch
ein Grund, das Pfingstfest neu zu entdecken.
Unser christliches Pfingstfest, Erinnerung an den gemeinsamen Aufbruch
und Neubeginn einer Schar von Jüngerinnen und Jüngern Jesu in
Jerusalem, der in unbegreiflicher Weise die Welt erreicht und ergriffen
hat, ist für uns die Erwartung und das Versprechen, dass sich
Leben und Geist Jesu nicht mit Gewalt töten, nicht mit klugem Kalkül
zähmen und nutzen, nicht mit gleichgültigem Achselzucken belächeln
und übergehen lassen. Der Geist, der Jesus erfüllte, der Heilige
Geist, wird ausbrechen und aufbrechen, Geister erwecken und Leben
erneuern, bis er sein Werk vollendet, die Schöpfung erfüllt, erneuert
und heimgeholt hat.
"Der Friede Gottes ist nicht Ruhe, sondern treibende Kraft",
hat Albert Schweitzer gesagt. In tausend Sprachen und Formen will
er jedes einzelne
Geschöpf erfüllen und ergreifen, es verbinden mit dem Innersten
und mit dem Äußersten des Lebens, wie der Atem uns Leben gibt,
indem er uns mit allem verbindet. – Komm, Gott Schöpfer, Heiliger
Geist!
Pfarrer Dr. Andreas Fuhr |