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Januar
Weise mir, Herr, deinen Weg; ich will ihn gehen in Treue zu dir.
(Psalm 86, 11)

Februar
Alles ist erlaubt - aber nicht alles nützt. Alles ist erlaubt - aber nicht alles baut auf. Denkt dabei nicht an euch selbst, sondern an die anderen.
(1.Korinther 10, 23-24)

JAHRESLOSUNG
2012
Jesus Christus spricht:
Meine Kraft ist in den Schwachen mächtig.
(2. Korinther 12,9)


 
Foto: Schult de Morais/diálogo
© Schult de Morais
Vergrößern (bitte ggf. JavaScript aktivieren)Apsisfenster der Zwölf-Apostel-Kirche (Detail)
 
PFINGSTEN
Fest des bewegenden Geistes Gottes

Was feiern wir eigentlich an Pfingsten? Das Wort selber kommt aus dem Griechischen (pentecoste) und heißt übersetzt: der fünfzigste (Tag). Damit wird der Festkreis, der in der Osternacht beginnt, abgeschlossen. Erst relativ spät, seit dem 4. Jahrhundert, wird dieses dritte Hochfest der Kirche gefeiert. Neben Weihnachten und Ostern führt es bei uns ohne Frage ein Schattendasein. Sehr zu unrecht! Es erinnert an die Ausgießung des Heiligen Geistes, wie er in der Apostelgeschichte im 2. Kapitel geschildert wird. Der Geist Gottes befähigt die bis dahin verunsicherte Jüngerschar, die Botschaft Jesu weiterzugeben "in allen Sprachen", das heißt für alle verständlich. Damit beginnt also die Geschichte der Kirche.

Aber Pfingsten ist nicht einfach der "Geburtstag der Kirche". Pfingsten ist Erinnerung und Erwartung des Heiligen Geistes. "Komm, o komm du Geist des Lebens": vor allem die Pfingstlieder sind Rufe nach einer Wahrheit, Freude und Fülle, nach einem Trost und einer Kraft, die uns ergreifen, unser Leben erneuern und bewegen soll, wie Sonne und Regen die Erde zum Blühen bringen in diesen Frühlingstagen. Pfingsten ist ein Frühlingsfest, ein Fest des Aufbruchs und Neubeginns, wie Ostern.

Nun führt dieses bewegende und bewegte Fest des Geistes Gottes bei uns nur noch ein Aschenputtel-Dasein. Eine Kirche mit festen Ämtern und Traditionen wird vom unkontrollierbaren Daherbrausen des Geistes eher irritiert. Doch gerade große, alte Institutionen brauchen dringend die weite Öffnung zu allen möglichen Geistern und Bewegungen um sie herum, wenn sie nicht ins Abseits geraten und erstarren wollen.
In der Ursprache der Bibel, dem Hebräischen, ist Geist (ruach) weiblich: Mutter allen Lebens – nicht nur des religiösen oder guten oder "spirituellen", sondern auch des leiblichen, in all seinen Dimensionen. Diese "große Mutter", Weisheit, Atem, Heilerin, Trösterin, Bewegerin ergänzt und korrigiert ein einseitig männlich definiertes Gottesbild. Auch ein Grund, das Pfingstfest neu zu entdecken.

Unser christliches Pfingstfest, Erinnerung an den gemeinsamen Aufbruch und Neubeginn einer Schar von Jüngerinnen und Jüngern Jesu in Jerusalem, der in unbegreiflicher Weise die Welt erreicht und ergriffen hat, ist für uns die Erwartung und das Versprechen, dass sich Leben und Geist Jesu nicht mit Gewalt töten, nicht mit klugem Kalkül zähmen und nutzen, nicht mit gleichgültigem Achselzucken belächeln und übergehen lassen. Der Geist, der Jesus erfüllte, der Heilige Geist, wird ausbrechen und aufbrechen, Geister erwecken und Leben erneuern, bis er sein Werk vollendet, die Schöpfung erfüllt, erneuert und heimgeholt hat.

"Der Friede Gottes ist nicht Ruhe, sondern treibende Kraft", hat Albert Schweitzer gesagt. In tausend Sprachen und Formen will er jedes einzelne Geschöpf erfüllen und ergreifen, es verbinden mit dem Innersten und mit dem Äußersten des Lebens, wie der Atem uns Leben gibt, indem er uns mit allem verbindet. – Komm, Gott Schöpfer, Heiliger Geist!

Pfarrer Dr. Andreas Fuhr

 
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