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MONATSSPRUCH

Mai
Öffne deinen Mund für den Stummen, für das Recht aller Schwachen!
(Sprüche 31,8)

Juni
Gott hat sich selbst nicht unbezeugt gelassen, hat viel Gutes getan und euch vom Himmel Regen und fruchtbare Zeiten gegeben, hat euch ernährt und eure Herzen mit Freude erfüllt.
(Apostelgeschichte 14, 17)

Juli
Fürchte dich nicht! Rede nur, schweige nicht! Denn ich bin mit dir.
(Apostelgeschichte 18, 9.10)

JAHRESLOSUNG
2013
Wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zukünftige suchen wir.
(Hebräer 13, 14)


 

(NICHT NUR ZU) WEIHNACHTEN
Eines Pfarrers Wünsche

Vor uns steht nun wieder Weihnachten – man möchte fast sagen: dieses unverwüstliche Fest. Keines sonst hat sich so sehr in das Volk eingegraben. Vielleicht bezieht es seine Wirkung aus der Pause, die es uns im Weltgetümmel immer wieder gewährt und die man braucht.

Foto: Wolfgang Döring
© Wolfgang Döring
Vergrößern (bitte ggf. JavaScript aktivieren) Weihnachtskrippe in der Zwölf-Apostel-Kirche: eine Holzschnitzarbeit von Armin Luda
 

Ich meine den Moment des Innehaltens und auch die auf dem Grund unserer Seele ruhenden Bilder vom Licht im Dunkel, vom Stern in der Nacht und auch vom neugeborenen Kind. Es sind ja zeichenhafte Bilder, Symbole der uns eingestifteten Erwartung. Was wären wir ohne Hoffnung! Wie arm und wie alt wären wir, wenn wir nicht mehr in Finsternissen Licht erwarteten. Auch halten wir wohl inne, um unseren guten Willen zu demonstrieren. Wir suchen wirklich die Nähe derer, die unsere Nächsten sind. Wir machen Geschenke. Wir tun Gutes. Die Familie bedeutet uns noch etwas.

Natürlich hat jeder weiterhin sein Päckchen zu tragen. Jeder bleibt auch im Griff seiner Pflichten. Aber gerade das spricht ja für die verdiente Pause, für die Einkehr ins Gemüt. Es spricht für das von Liebe und Hoffnung geprägte Innehalten, das ja auch Frucht bringen kann. Möchte auch in diesem Sinne Friede sein auf Erden. Und möchte sich unsere Hoffnung erfüllen, daß wir – mit Martin Heidegger zu reden – nicht Wege wandern müssen, die verwachsen jäh im Unbegangenen aufhören – wonach es ja nicht selten heute aussieht.

Mir fiel jene halb ernste und halb scherzhafte Frage ein, die da lautet: Wenn man einen Wunsch frei hätte, welcher das wohl wäre? In Ansehung unseres gesellschaftlichen Miteinanders in der letzten Zeit habe ich einen Wunsch wegen des Stils miteinander und auch wegen der Tiefe unserer Erlebnisbereitschaft.

Von den Tribünen der Politik und auch in den Medien werden viele Wünsche sozialer, wirtschaftlicher und politischer Art vorgebracht. Aber sprechen wir zum Beispiel genug von jenen Qualitäten, die man immerzu braucht und die uns eigentlich erst das Leben zu bestehen helfen? Ich meine so alte Dinge wie die Tapferkeit der Herzen, die Güte miteinander, zuvorkommende Freundlichkeit, selbstverständlichen Zuspruch und Handreichung und einfach auch Verläßlichkeit, Fairneß und Aufrichtigkeit, daß einer sich auf den anderen stützen kann. Sind wir nicht auch dazu da?

An den Anfang gehört doch schlicht das Eingeständnis, das jeder auch von sich aus als Vorleistung aussprechen könnte. Das wäre doch anständig und vielleicht sogar ritterlich. Es wäre schon etwas, wenn wir heute mehr Noblesse miteinander zeigten, in Kirche und Gesellschaft.

Wie schrecklich ist es, daß man in einer so großen Stadt immer wieder hört: Einsame Menschen sterben in der Wohnung nebenan allein, und niemand merkt etwas. Fragt man nicht einmal nacheinander – und gerade, wenn es so still geworden ist? Kürzlich machte mich ein Amtsbruder auf eine Anzeige in einer großen Berliner Tageszeitung aufmerksam. Da hatte ein bekanntes Amüsierlokal hemmungslos inseriert: Volkstrauertag, Bußtag und Totensonntag Tanz mit Kapelle! Manchmal frage ich mich auch: Warum sind eigentlich in den sicherlich dringlichen und bedrängenden Auseinandersetzungen einer kritischen und schwierigen Zeit die Töne so laut und so schrill und manche Publizistik mit so viel Häme und Zynismus verbunden? Woran im Menschen appelliert man da eigentlich? Kurz und gut, ich wünschte unserer Gesellschaft und auch unserer Kirche das Charisma der Sensibilität, mehr Stil und mehr Tiefe. Ich wünsche auch bei allen Freiheiten, die wir so an uns raffen, dass das Gewissen aktiv bleibt. Das Niveau, das man einhält, ist auch ein sozialer Akt. Und die Tugenden, die ich nannte, sind ein Reichtum. Und ich wünsche mir weiterhin, daß wir dem die Priorität geben, dem sie zukommt. Nach meinem Eindruck müssen wir neu lernen, Gottes Anrede besser zu unterscheiden von dem, was wir den Zeitgeist nennen. Wenn Gott uns anspricht, ist sein Wort aktuell. Aber es unterscheidet sich erheblich von dem, was in den Medien als Wort zur Lage erscheint. Gottes Wort ist immer Anspruch und Zuspruch und weder Beschönigung noch Anlass zur Larmoyanz.

Wenn wir doch darauf vertrauten, daß Gott zu seinem Wort steht! Wir fragen uns oft, ob denn die Menschen noch auf Gottes Wort hören wollen. Gleichzeitig erleben wir, wie es bei vielen Menschen in besonderen Situationen "ankommt". Die Verheißung, die dem Wort Gottes mitgegeben ist, erfüllt sich immer von Neuem: "Es soll nicht leer zurückkommen, spricht der Herr."

Wir sollten wahrnehmen, was um uns herum geschieht. Es scheint so, dass die Belastungen, unter denen wir leben, im neuen Jahr größer werden. Die Unsicherheit, wie es wirtschaftlich in unserem vereinten Land weitergeht, nimmt zu. Wir erleben unsere Ohnmacht, Völker hungern zu sehen, ohne durchgreifend helfen zu können und sind trotzdem zur Hilfe aufgefordert. Wir sind erschrocken darüber, dass Ausländer unter uns nicht mehr sicher leben können, sondern ihnen blinder Hass und nackte Gewalt entgegenschlägt. Dies alles kann uns nicht wegschauen und allein auf das "Eigentliche" sehen lassen, denn in Christus ist das Eigentliche immer an unsere Mitmenschen gebunden. So gilt es, sich gegen Gewalt, Ausländerhass und Antisemitismus zu artikulieren und zu wehren.

Ich danke für alle Dienste und alle Mitarbeit in dem zu Ende gehenden Jahr. Die Zeiten sind für uns nicht leichter geworden. Wir spüren, daß in unserer Gesellschaft der Kirche der Wind ins Gesicht bläst.

Ich wünsche uns, dass wir aus der Zuversicht des Glaubens gelassen reagieren, uns den kritischen Fragen stellen, so sie auf uns zukommen, aber auch uns in der Gewissheit bestärken lassen, dass Gott Neues in seiner Kirche wachsen lassen kann und will.

Foto: M. Schult de Morais/diálogo
Ihnen allen ein gesegnetes Weihnachtsfest und für das Jahr 2004 den Beistand und das gnädige Geleit des Dreieinigen Gottes!
 
Ihr Pfarrer
Heinz-Hermann Wittrowsky
 
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