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2013
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(Hebräer 13, 14)


 
THEMA: KOPFTUCHSTREIT
Das Kreuz mit dem Kopftuch

Es ist zu begrüßen, wenn eine breite gesellschaftliche Diskussion über kontroverse Themen geführt wird. Der sog. Kopftuchstreit hat die Öffentlichkeit über Gerichte, Medien etc. lange Zeit beschäftigt, die Argumente der Befürworter und Gegner eines Verbots, zum Beispiel für Lehrerinnen im Dienst, scheinen ausgetauscht. Auch unser Bischof, Wolfgang Huber, und die EKD haben sich geäußert; beide befürworten ein Verbot. "Wenn eine muslimische Bewerberin für eine Lehrtätigkeit an öffentlichen Schulen unter Berufung auf ihre Religionsfreiheit im Dienst ein Kopftuch tragen will, begründet ihr Verhalten angesichts der Bedeutung des Kopftuches im Islam Zweifel an ihrer Eignung." (EKD-Pressemitteilung 10.10.2003) Auch der Bischof sieht im Kopftuch, anders als im Kreuz, ein antidemokratisches Zeichen, das gegen die Gleichstellung der Geschlechter gerichtet sei.

Es überrascht, daß in den kirchlichen Stellungnahmen die religiöse Ebene nicht berührt wird, nämlich was es bedeutet, in dieser Gesellschaft ein orthodoxer muslimischer Gläubiger zu sein. Unbestritten ist: Die Gründe, weshalb Frauen in Deutschland ein Kopftuch in der Öffentlichkeit tragen wollen, sind individuell und vielfältig. Wenn dagegen das Kopftuch zum politischen Symbol erklärt wird, sind seine Trägerinnen Wesen ohne Gesicht und Ansichten, gelten sie pauschal als fanatisch und unterdrückt. Sie werden dadurch zu Objekten kollektiver Fürsorge oder Aggression. Vor allem letzteres erleben Kopftuchträgerinnen unter uns in offener oder verdeckter Form fast täglich. Welches Signal wäre es in dieser Atmosphäre, auch eine Lehrerin mit Kopftuch zu treffen?

Es ist ärgerlich und gefährlich, daß die Opfer gesellschaftlicher Aggression zu einer Gefahr für die freiheitliche Ordnung stilisiert werden. Es ist unzutreffend, wenn man mit einem Kopftuchverbot meint, die "moderaten" oder "modernen" Muslime zu unterstützen. Das Gegenteil ist der Fall, denn durch das Verbot sehen sich nur jene muslimischen Kreise gestärkt, die eine Eingliederung in die westliche Gesellschaft für unmöglich halten oder diejenigen, die eine laizistische Position vertreten (also strikte Trennung von Staat und Religion wie in Frankreich oder der Türkei). Beide Seiten haben Argumente für sich, über die man in ein Gespräch eintreten kann. Meiner Meinung nach sollten wir die religiös begründete Entscheidung respektieren, ein Kopftuch auch als Lehrerin zu tragen. Natürlich drückt die Trägerin damit etwas aus, etwa: Ich habe eine Religion, eine Tradition und eine Kultur, die ich hier bewahren und einbringen will. Es gibt ebenso die Möglichkeit, sich ohne Kopftuch als Muslim zu begreifen. Menschen der jeweiligen Einstellung leben ja auch in der türkisch- oder arabischsprechenden Gemeinschaft hier in Berlin (und wenn sie Glück haben, auch in den Herkunftsländern) zusammen.

Über diese religiösen Einstellungen ins Gespräch zu kommen, kann sehr erhellend sein, sie sind aber nicht von vorneherein verfassungsfeindlich. Wie sich eine Kopftuchträgerin als Lehrerin an öffentlichen Schulen verhält, etwa im Sport- oder Biologieunterricht, bleibt abzuwarten und zu prüfen, wie bei jedem Lehramtskandidaten. Beunruhigen sollte uns Christen jedenfalls bei der ganzen Aufregung um das Kopftuch, daß das Kreuz in unserer Gesellschaft so gar keinen Anstoß erregt.

Dr. Andreas Fuhr

Beitrag in "Zwölf Apostel" Nr. 7

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