PFINGSTEN
Geist
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| © Schult
de Morais/diálogo |
Detail
des Altarfensters der Zwölf-Apostel-Kirche (Entwurf:
Alfred Kothe) |
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Wer von uns heute auf Anhieb sagen sollte, was es mit
Pfingsten auf sich habe, dem fällt vielleicht das Stichwort "Heiliger
Geist" ein – aber klingt es nicht wie aus einer anderen
Welt?
Dieser Eindruck der Ferne und Fremdheit von Pfingsten
und Heiligem Geist liegt nicht zuletzt daran, dass wir durch das
Kirchenjahr daran
gewöhnt sind, den Weg Jesu, seine Bedeutung, auf verschiedene
Stationen zu verteilen. Die Feste sind die Stationen, und Pfingsten
ist eben die letzte. Ebenso neigen wir oft dazu, im Glaubensbekenntnis
von Gott, Jesus und dem Geist wie von drei Figuren zu reden, die man
unabhängig voneinander bedenken könnte. Dies alles sind sehr
missverständliche Aufgliederungen. So wenig unsere Welt und unser
Leben teilbar sind, so wenig ist es christlicher Glaube und seine Bedeutung.
Vielleicht
sind die Worte des Glaubens oft deswegen so weltfremd, weil wir sie
anders dividieren als unser Leben. Was wir begreifen müssen,
ist dies: In jedem Fest, in jeder Gestalt der Dreieinigkeit – und
ebenso in jedem Ereignis dieser Welt und ihres Laufes – steht
immer der ganze Glaube, seine ganze Bedeutung für
unser ganzes Leben
zur Debatte. Zwar jeweils von anderer Seite beleuchtet, aber nie nur
zum Teil beleuchtet. Dies wollen wir uns an Pfingsten und am
Heiligen Geist klarmachen. Setzen wir ganz allgemein ein!
Was wollen
wir? Was fragen wir?
In aller Verschiedenheit wird uns – hoffentlich – eins
gemeinsam sein: wir möchten
wissen und erfahren, was es heute, in unserer Welt, mit Gott, mit Jesus
auf sich hat. Sich auf diese Frage einlassen, ihr nachdenken, dies
führt uns haargenau in den Umkreis dessen, was Heiliger Geist
meint. Es meint die Frage nach der Gegenwart und Gegenwartsbedeutung dessen, was mit Jesus in die Welt gekommen ist, und damit immer zugleich
die Frage nach seiner Bedeutung für unsere Zukunft. Oder auch
die Frage: Wie sieht das denn in der Welt aus, wenn wir sagen, wir
glauben ihm?
Wer so fragt, der merkt sogleich: Er muss seinen Verstand
dabei anstrengen – und
er muss ständig aus der Kirche herausschauen, auf andere Menschen
sehen, auf das Geschehen in Zeit und Welt blicken. Sieht er nur auf
sich und in sich hinein, dann bleiben die Antworten dunkel. Das Stichwort
Heiliger Geist will aber öffentlich werden lassen, welchen Sinn
Glauben hat.
Heute vom Heiligen Geist reden heißt dann: das Wagnis
eingehen zu sagen, was an der Zeit ist. So allein liegt das, was Jesus
wollte,
nicht in der Vergangenheit. So allein ist Gott nicht von gestern. So
allein ist Kirche kein Museum und Glaube kein altes Programm. Sondern
die Gegenwart ist das Thema. Unser Leben. Das klingt noch sehr allgemein.
Wie prall gefüllt aber mit uns,
mit unserem Leben, unseren Problemen diese Wendung ist, zeigt sich
sofort, wenn wir den nächsten Schritt tun. Ich tue ihn, indem
ich aus dem Pfingstevangelium eine einzige Aussage herausnehme: "Meinen
Frieden gebe ich euch", sagt Jesus, "nicht gebe ich euch,
wie die Welt gibt."
Was ist das für ein Friede? Wo gibt es ihn?
Wie kommt er zustande?
Die Abgrenzung mit dem Satz "Nicht wie die
Welt gibt, gebe ich euch" zeigt sofort, dass der Friede in Jesu
Geist nur greifbar wird, wenn man ihn aus seinem Verhalten und seinen
Worten ableitet.
Wer diesen Frieden will, der stellt sich oft gegen das
Recht des augenblicklich Stärkeren. Wer dies will, der stellt
sich gegen Misstrauen und heimliche Feindschaft, die jede Vereinbarung
schon vorher aushöhlen;
er ist bereit, Kredit an Vertrauen zu geben, auch wenn er schon oft
der Dumme dabei war.
Man kann dies leicht in die zehn Gebote oder
in Worte Jesu zurückübersetzen. "Wer
mich liebt, der wird mein Wort halten. Wer mich aber nicht liebt,
der hält meine Worte nicht." Jesu Wort, das es hier zu
halten gilt, ist dabei ständig umgemünzt in alltägliches
Wort der Welt von heute. Es ist kein feierliches Sonderwort, sondern
leidiges
Alltagswort. Man mache sich nichts vor! Diesen Frieden, wie Jesus
ihn stiften will, heute leben zu wollen, das heißt in der Regel:
bereit sein, sich Sympathien zu verscherzen und zu leiden. Denn wer
solchen Frieden will, der sitzt nur zu leicht zwischen den Stühlen
der Streitenden. "Nicht gebe ich euch, wie die Welt gibt. Euer
Herz erschrecke nicht."
Rede ich noch vom Heiligen Geist? Ja, davon
rede ich. Wo Jesu Friedensangebot zu leben versucht wird, wo über
diesen Frieden als Möglichkeit
für uns nachgedacht wird, da leben wir in seinem Geist. Da ist
Evangelium, weil Leben heil werden kann. Da ist der Horizont von
Pfingsten. So geht der Blick nach vorn. Heiliger Geist weist in die
Zukunft.
Gebe Gott, dass wir zur Zukunft fähig werden.
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Pfarrer Heinz-Hermann
Wittrowsky
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