 |
 |
 |
Apsisfenster
der Zwölf-Apostel-Kirche (Detail) |
|
| |
OSTERN
Sieg über den Tod Die christlichen Feste haben es schwer,
sich im Bewusstsein der Menschen zu behaupten. Im geschlossenen Weltbild
vergangener Zeiten hatte alles seinen Platz, der Mensch und sein Schöpfer.
Die Schöpfung war das Werk Gottes und die Menschen durften in ihr leben.
Zwar gab es auch das Dunkle und Unheimliche, aber die Menschen wussten, dass
dies nicht das Ende ist. Es gab schwere Schuld, aber auch die Möglichkeit
der Buße und die Hoffnung auf Vergebung durch Gottes Barmherzigkeit.
Dieses
Weltbild ist kaputtgegangen, nicht weil die Menschen es kaputtgemacht haben,
sondern weil die menschliche Erkenntnis darüber hinausgegangen
ist.
Die Natur, früher das Geheimnis göttlicher Schöpfung,
ist heute ein offenes Buch, in dem wir zu lesen gelernt haben und das
wir vom
unsichtbaren kleinsten Teil bis zu den unvorstellbaren Dimensionen des
Weltraums erforscht haben und erforschen. Für Gott scheint da der
Raum eng geworden zu sein, sowohl in der Schöpfung als auch über
ihr. Allerdings stößt immer wieder der ernüchterte Blick
an die Grenzen menschlicher Erkenntnis und Fähigkeiten. Sobald etwas
Unvorhergesehenes eintritt wie die jüngste Naturkatastrophe, erhebt
sich wieder die Frage nach dem Ort Gottes und damit nach seiner Gegenwart
und Erfahrbarkeit. Der Tod
bleibt eine unüberbrückbare Grenze. Es bleibt das Unvermögen
des Menschen, Frieden zu machen und ihn zu halten. Die Flamme des Hasses
erlischt nicht. Der Mensch scheint nicht mitzuwachsen mit seinem Wissen.
So gibt es keine Gewähr, dass der Mensch menschlicher wird. Das
ist die ungebrochene Kraft von Karfreitag, der menschlichen Realität.
Das
Osterfest als Fest des Lebens hat es demgegenüber schwer. Das war
seit den Anfängen so, aber zugleich war auch die Kraft des Glaubens
mitten in dieser Realität wirksam und hat zur unaufhaltsamen Ausbreitung
des Glaubens geführt. Von dieser Kraft leben wir bis auf den heutigen
Tag.
Nähern wir uns dem Osterfest, indem wir in ihm den Sieg über
den Tod feiern. Es ist dies keine Erwartung für die Zukunft, sondern
Gegenwart. Kleiner darf unser Anspruch nicht sein.
Gemeinde ist der Ort, wo Raum dafür ist, uns der Spuren dieses Sieges
zu vergewissern, wo unsere Hoffnungen und Ziele zusammenfließen
und Form annehmen können. Überall wo das geschieht, "erfahren"
wir etwas von dem, was Auferstehung meint.
|