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MONATSSPRUCH

Januar
Weise mir, Herr, deinen Weg; ich will ihn gehen in Treue zu dir.
(Psalm 86, 11)

Februar
Alles ist erlaubt - aber nicht alles nützt. Alles ist erlaubt - aber nicht alles baut auf. Denkt dabei nicht an euch selbst, sondern an die anderen.
(1.Korinther 10, 23-24)

JAHRESLOSUNG
2012
Jesus Christus spricht:
Meine Kraft ist in den Schwachen mächtig.
(2. Korinther 12,9)


 
WARUM ICH GLAUBE
Gott gab mir die Gnade, wieder auf dem Weg zu sein

von Katharina Gürsoy

Auf meinem Weg zum Glauben nach mehr als zwei Jahrzehnten Kirchenferne orientierte ich mich an Theologen des 20. Jahrhunderts. Ich fand religiöse Menschen und Schriften, die fest in meiner Welt fußten und die mich ins Gespräch mit Gott zurückbrachten.

Der "liebe Gott" aus der Kindheit mit dem weißen Rauschebart hatte mir als Jugendliche nichts zu sagen. Als junge Erwachsene hatte ich die Kirchengeschichte nicht mit dem Evangelium in Einklang bringen können und Anhänger anderer komplexer religiöser Systeme nicht als Heiden verdammen wollen. Langsam erkannte ich, dass ich als Mensch nicht der Maßstab der Dinge bin, sondern dass es dahinter noch etwas gibt, dem ich die Gnade meines Lebens verdanke und das einen Maßstab für mein Handeln setzt. Ich merkte, dass mein Denken, Tun, Handeln, Beurteilen usw. von christlichen Werten geprägt ist, obwohl ich eher kirchenfeindlich agierte. Ich lernte zwischen Idealen und Realitäten zu unterscheiden und nicht die Ideale zu verachten, weil die Realitäten die menschlichen Schwächen widerspiegeln. Gott gab mir die Gnade, wieder auf dem Weg zu sein, auf einem Weg, den ich kenne, dessen Schwächen und Stärken mir vertraut sind und auf dem ich neue Lebensformen des Glaubens entwickeln kann.

Paul Tillich gab Worten wie Sünde, Schuld, Vergebung u. ä. Begriffen eine erwachsene Bedeutung. Helmut Thielicke drückte für mich das "Leiden an der Kirche" aus. Jörg Zink öffnete mir das Leben Jesu. Besonders Dorothe Sölle und Fulbert Steffensky sprachen meine religiösen Bedürfnisse an und gaben ihnen einen Boden mit der Bibel. Unzählige Worte für den Tag in den verschiedensten Radiosendern bereiten die Bibel jeden Tag für mich auf.

Eine bewusste religiöse Entscheidung, oft ohne Durchgang durch verschiedene Phasen des Glaubens (Sölle) haben viele Mitglieder der Gemeinde getroffen. Je bewusster und erwachsener ich mit meinem Glauben umgehe, desto mehr lasse ich Raum für den Bruder des Glaubens, den Zweifel. Der Zweifel an Dogmen macht unsere Kirche lebendig.

Katharina Gürsoy (Foto: Schult de Morais/diálogo)
Unsere Gemeinde ist Teil der Evangelischen Kirche und keine Sekte, das heißt für mich, dass wir offen für unterschiedliche Arten zu glauben sind, dass es keine Angst vor Verachtung des eigenem Glaubenswegs und anderer Glaubensvorstellungen geben darf.

Katharina Gürsoy

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