REIHE: DIE ZWÖLF APOSTEL
Jakobus der Ältere (4) und der Jüngere (5)
Nicht nur Täufer und Apostel Johannes können verwechselt werden. Mehrere Apostel tragen denselben Vornamen: Simon Petrus und Simon Zelotes, Judas Jacobi und Judas Ischarioth. Besonders beliebt war es auch, sein Kind nach dem Stammvater Jakob zu benennen, der einst Esau um sein Erstgeburtsrecht betrogen hatte (1. Mose 25,29 ff.), dem Gott das Land Kannan verheißen (1. Mose 28,10 ff.) und der mit Gott selbst gerungen hatte und daher Israel („Gotteskampf“) genannt wurde (1. Mose 32,22 ff.). Außer zwei Jüngern (Jakobus dem Jüngeren und Jakobus Zebedäus) gab es noch den Herrnbruder Jakobus und den Vater des Apostels Judas. Auch später war der Name als Jack, Jacques, Diego (auch in Santiago!) überaus verbreitet.
Jakobus der Ältere (maior), Sohn des Zebedäus
Der bedeutendere der beiden gleichnamigen Apostel war ohne Zweifel der zweite „Donnersohn“ Jakobus (Mk 3,17). Wie sein Vater Zebedäus war er Fischer und arbeitete mit Petrus und Andreas zusammen (Lk 5,10, Mt 4,21).
Neben seinem jüngeren Bruder, dem Evangelisten Johannes (siehe Zwölf Apostel Nr. 15) und neben Petrus (siehe Zwölf Apostel Nr. 14) galt Jakobus als eine der „Säulen“. In den Apostellisten steht er stets an zweiter (Mk 3,17) oder dritter Stelle (Mt 10,2, Lk 6,14, Apg 1,13). Er ist bei der Heilung der blutflüssigen Frau dabei (Lk 8,51), auch ist er Zeuge der Verklärung Jesu (Mt 17,1) und er gehört zum engsten Kreis in Gethsemane (Mt 26,37). Das Führungstrio Petrus, Jakobus und Johannes fand in unserem Kirchturm klingenden Ausdruck in der Benennung der drei Glocken.
Nach der Auferstehung ist er bei den anderen Aposteln in Jerusalem (Apg 1,13). Jesus hatte sein schnelles Urteil über die Samariter getadelt (Lk 9,54 f.). Vielleicht hat er gerade deshalb der Überlieferung nach in der Gegend um Samaria das Evangelium verkündet. Zu Passah im Jahr 43 hat ihn der frisch aus Rom heimgekehrte König Herodes Agrippa I. hinrichten lassen, angeblich um sich bei den Juden beliebt zu machen (Apg 12,1 f.).
Die Jakobus nachgesagten Wunder sind zahlreich und reichen von dem ‚dem Teller entfliegenden Brathähnchen‘ bis zu seinem ‚sich von selbst schließenden Sarkophagdeckel‘. In Spanien soll Jakobus gleich nach der Himmelfahrt Christi gepredigt haben. Sein Grab sei aber vergessen gewesen, bis sich Jakobus angeblich zu Beginn des 9. Jahrhunderts dem Eremiten Pelayo auf dem so genannten „Sternenfeld“ (spanisch Compostela) offenbarte. Bei der Rückeroberung Spaniens von den arabischen Besatzern diente Jakobus als berittener „Maurentöter“. Auch Karl dem Großen soll er bereits beim blutigen Handwerk geholfen haben. Aber das ist, wie so vieles aus dieser Zeit, Legende.
Seine Symbole sind die Muschel (die sich Jakobpilger an den Hut steckten) und das Schwert, das an seine Enthauptung erinnert. Als Pilger trägt er Stab und breitkrempigen Hut.
Exkurs: Der Herrnbruder Jakobus, Sohn des Joseph
Man hat vermutet, dass Herodes Agrippa nicht Jakobus Zebedäus, sondern einen noch bedeutsameren Jakobus hatte treffen wollen: Jakobus, den Bruder von Jesus (Mt 13,55, Mk 6,3), den Gerechten, den Asketen, die Säule, den ersten Bischof von Jerusalem, von dem der Jakobusbrief in unserem Neuen Testament stammt. Als Auferstehungszeuge (1. Kor 15,7) hatte er maßgeblichen Einfluss auf die junge Kirche (Apg 15,13 ff., 21,18 ff.). Dieser Jakobus wurde im Jahre 62 n. Chr. in Jerusalem ermordet, worüber selbst der jüdische Geschichtsschreiber Josephus berichtet (Ant 20,200). Hegesippus berichtet, Jakobus sei mit einer Walkerstange erschlagen worden. In der Gnosis wächst er zu einem besonderen Offenbarungsmittler heran. Spätere Quellen (NHC I,2) zählen den Herrnbruder Jakobus daher ebenfalls zu den Zwölf Aposteln. Um die Berichte zu harmonisieren, hat man ab dem 4. Jh. den Herrnbruder Jakobus, Sohn des Joseph teils mit dem älteren, öfter noch mit dem jüngeren Jakobus identifiziert, was aber historisch nicht haltbar ist.
Jakobus der Jüngere (minor), Sohn des Alphäus
Wohl zur Unterscheidung von dem Donnersohn wurde er „Jakobus der Kleine“ (lateinisch Jacobus minor) genannt. Er steht in allen Apostellisten erst an 9. Stelle, von ihm ist kaum mehr bekannt als der Name. Danach ist Jakobus eventuell ein Bruder des Matthäus und ein weiterer Cousin Jesu im engsten Apostelkreis (Mt 10,3 parr. Mk 15,40, siehe Zwölf Apostel Nr. 17). Andere nennen Simon Zelotes und Judas Thaddäus als seine Brüder.
Seine Mutter Maria gehörte zu den Frauen, die Jesus bis unter das Kreuz nachgefolgt waren und die seinen Leichnam salben wollten (Mk 15,40, 16,1, Mt 27,56, Lk 24,10), sein Vater Alphäus (Kleophas) gehörte zu den ersten Auferstehungszeugen (Lk 24,18).
In einer mittelalterlichen Passion ist Jakobus minor ein Cousin Jesu, der ihm zum Verwechseln ähnlich sieht. Deshalb sei der Judaskuss nötig gewesen, um einen Irrtum auszuschließen.
Jakobus minor soll auch der Jüngling gewesen sein, der nach der Gefangennahme nackt entfloh (Mk 14,52). Danach habe Jakobus nichts mehr zu sich nehmen wollen, bis er den auferstandenen Herrn sehen würde, was dann bekanntlich auch geschieht.
Aufgrund der systematischen Verwechslung mit dem Herrnbruder ist sein Symbol die Walkerstange.
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