JAHRESLOSUNG
2007
Gott spricht: Siehe, ich will ein Neues schaffen, jetzt wächst es auf, erkennt ihr's denn nicht?
(Jesaja 43,19a)
Was erwarten wir eigentlich Neues, welche Vorstellungen verbinden wir damit?
Ständig wird uns Neues präsentiert: eine neue Kreation wird angekündigt und nicht nur die Modewelt ist begeistert; es gibt neue Autos, neue Technologie, neue Modekreationen, neue Super-Stars, und vieles mehr. All das ist Teil unseres Alltags, aber wirklich Neues können wir damit nicht verbinden, es mutet eher an wie eine ständige Wiederholung in jeweils geänderter Form. Die alten Griechen verstanden die Welt deshalb als ständigen Kreislauf, als unablässiges Auf und Ab. „Nichts Neues unter der Sonne“ ist deshalb ein uraltes Lebensgefühl. Und je nach der Lage, in der man sich persönlich befindet, ist das beruhigend oder beunruhigend. Denn zumindest im persönlichen Bereich sind wir des Öfteren gezwungen, Neuem zu begegnen, unser Leben neu zu sortieren. Das gilt auch für das Leben einer Gemeinde und wir erleben zurzeit auch die Schwierigkeit, die es mit sich bringt, vieles neu zu denken, zu strukturieren, zu organisieren, ähnlich wie im privaten Leben. Auch hier lauert die Resignation, nichts Neues mehr zu erwarten.
Von welchem „Neuen“ ist im Wort des Propheten die Rede? Damals, im babylonischen Exil, ging es um die Rückkehr in die Heimat, das von Gott verheißene Land. Zu sehen war damals im Alltag des Exils noch nichts von der Möglichkeit einer Rückkehr. Im Gegenteil, viele waren eher dabei, sich so gut es ging richtig im falschen Leben einzurichten. Oder war doch etwas zu sehen? Es gab ja noch das Wort Gottes, seine Verheißung und seinen Bund. Da, wo dieses Wort aufgenommen wird, wächst- sei es auch im Exil- die Nähe und Vertrautheit zu Gott. Andere können diese Nähe nur an den Ort Jerusalem und den Tempel gebunden sehen. Welche Kraft diese Verheißung aber in jedem Fall besitzt, erleben wir bis auf den heutigen Tag.
Christen erwarten seit ihren Anfängen das Neue: die Wiederkunft Christi, die neue Schöpfung. Solche Vorstellung ist in unseren Breiten sehr in den Hintergrund getreten. Damit droht aber auch das Neue, das mit Christus in die Welt gekommen ist und in der Welt wirkt nicht mehr wahrgenommen zu werden. Der heilige Geist ist der Garant des Neuen und seiner Gegenwart unter uns. Es wartet darauf, von uns entdeckt zu werden. Am Pfingstfest feiern wir die Freude über dieses Geschenk.
Um diese Freude zu erleben müssen wir lernen, neu zu sehen, zuerst uns selber als bedürftige Wesen. Jesus sagt uns, zu werden wie die Kinder, offen, neugierig, unvoreingenommen und zugleich hilfsbedürftig. Dann werden wir erleben, wie viel Potential da steckt, wo wir nur Probleme und Schwierigkeiten sehen. Dann sind wir eingeladen, dem Neuen, das Gott uns bereitet, entgegen zu gehen, uns als ein Teil von ihm zu begreifen. Wir verlieren die Angst vor dem Neuen. Es gelten nicht mehr die alten Sichtweisen von Sieg und Niederlage, Gewinn und Verlust, Tod und Leben. Im Osterfest feiern wir diesen Triumph des Neuen. Möge es auch in unseren Herzen Raum gewinnen.
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