Judith Wodrig

Wohl bei keiner anderen Mitarbeiterin unserer Gemeinde ist die Frage so rhetorisch gemeint: Kennen Sie Judith Wodrig? "Ja natürlich!", werden nicht nur Menschen sagen, die auch nur entfernt mit unserer Gemeinde zu tun haben oder gelegentlich den Gottesdienst besuchen, sondern auch Menschen aus dem Kirchenkreis Schöneberg.

Seit Jahrzehnten engagierte sich Frau Wodrig ehrenamtlich in der Kirche. Im Frühling 1977 wurde sie in den Gemeindekirchenrat gewählt, dessen Mitglied sie seitdem war. Doch nicht nur das. Als Kreissynodale hat sie sich auch viele Jahre im Kreiskirchenrat für das Wohl des Kirchenkreises Schöneberg eingesetzt. Aus diesem Dienst hat sie sich, im Alter von zweiundachtzig Jahren, 2002 verabschiedet. Besonders aber lag Judith Wodrig der sonntägliche Gottesdienst am Herzen. Wer sonn- und feiertags die Kirche betrat, wurde von ihr herzlich begrüßt. Mit viel Liebe hat sie sich auch um unsere schöne Kirche gekümmert und sich nur schweren Herzens von dieser Aufgabe getrennt. Nicht nur ich habe über sie meine ersten Kontakte zur Gemeinde geküpft, wofür ich ihr sehr dankbar bin.

Frau Wodrig hatte es nicht immer leicht im Leben. Als Kind mußte sie wegen einer schweren Krankheit lange von ihrer Familie getrennt leben, dann kamen der Krieg und die schweren Nachkriegsjahre. Ihr Studium der Auslandswissenschaften an der Friedrich-Wilhelm- (heute Humboldt-) Universität konnte sie nicht beenden, da es stattdessen galt, zum Erhalt der Familie beizutragen. Später arbeitete sie zunächst als Buchhalterin und schließlich als Buchhaltungsleiterin. Mit der evangelischen Kirche war sie von früh auf verbunden; die Beschäftigung mit dem christlichen Glauben war Begleiterin durchs Leben.

1975 kam Judith Wodrig in die Zwölf-Apostel-Gemeinde. Als sie nach ihrer Pensionierung 1986 über mehr freie Zeit verfügte, verstärkte sie ihr Engagement in der Kirche allgemein, besonders aber in Zwölf Apostel. Das wurde auch dringend gebraucht, denn in den vielen Jahren, die Frau Wodrig in der Gemeinde tätig war, verringerte sich die Zahl hauptamtlicher Stellen auf nur noch knapp fünf. Die in ihrem Berufsleben erworbene Fähigkeit in Leitung und Verantwortlichkeit brachte sie gewinnbringend in die Gemeindearbeit ein: Immer war sie um Ausgleich und Versöhnung bemüht, dachte an Geburtstage und kleine Präsente und erinnerte oft an zu erledigende Dinge – wenn sie sich dieser nicht persönlich annahm.

Judith Wodrig, die durch ihren engagierten Dienst unsere Gemeinde nachhaltig mitgeprägt hat, starb am 3. Juni 2003 im 83. Lebensjahr.
Roswitha Dörendahl, in "Zwölf Apostel" Nr. 4 · aktualisiert an Pfingsten 2003 (SdM)